Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum März 2004
Kategorisierung Franz König; Kirchliches; 2004

Einer der ganz großen

Am letzten Samstag ist der ehemalige Erzbischof von Wien, Franz Kardinal König im gesegneten Alter von 98 Jahren im Schlaf verstorben. Wie wach und lebendig er bis vor kurzem war, konnte man aus seinem letzten Interview mit der Wochenzeitung "Die Furche" zum 100. Geburtstag Karl Rahners entnehmen. Der Unterschied zwischen Franz König und seinem Nachfolger wird offenbar, wenn man ihre beiden wichtigsten Werke gegenüber stellt: "Der Glaube der Menschen - Christus und die Religionen der Erde" von Franz König bringt auf 424 Seiten einen reich bebilderten Überblick über das, was sein Titel sagt. Der derzeitige Wiener Erzbischof ist einer der Mitautoren des gültigen Katechismus der katholischen Kirche - ein Buch, das nicht zu kennen kein Schaden ist. Es wirkt das alles so, als ob es vor gut hundert Jahren geschrieben worden wäre. Der römische Heide Cicero, gestorben 46 vor Christi Geburt, wird darin unter den kirchlichen Autoren angeführt - was kein Druckfehler ist, sondern ein Denkfehler. Selbst Schönborn sagte, als er das Endprodukt in Händen hielt, eigentlich hätte er sich die Sache anders vorgestellt, nicht gar so engstirnig, nicht gar so paragraphenreiterisch.

Es ist über 50 Jahre her, dass König Bischof, zunächst in St. Pölten, wurde. Bald löste er den unglückseligen Kardinal Innitzer ab, der eigentlich für sein ganz und gar freiwilliges "Heil Hitler" im Jahr 1938 schon 1945 hätte zurücktreten müssen. Der Nachfolger, den man König aufdrängte, war ein vorhersehbares Unglück; jedes Kind in Wien wusste, wie es um seine sexuellen Neigungen und Praktiken stand ...

Die Kirche in Wien und Österreich ist seit Königs Tod ärmer geworden. Wo sind die Rahners und Königs, wo sind die kraftvollen Laien, Männer und Frauen, die unsere Kirche vor 50 Jahren so geprägt haben, dass es eine reine Freude war, da mitzutun?

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