Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Ein Patron für mündige Christen

Autor Winfried Hofinger
Medium  ? Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum 19. Juli 1968
Kategorisierung Franz Jägerstätter; 1968

Zum 25. Jahrestag der Hinrichtung des oberösterreiohischen Bauern Franz Jägerstätter am 9. August.

Ein Amerikaner mußte kommen, um das hohe Lied des einsamen Helden zu schreiben! Durch das Buch von Gordon Zahn "Er folgte seinem Gewissen -das Zeugnis des Franz Jägerstätter" wurde die Welt erst auf jenen einfachen Bauern aus St. Radegund an der Salzach aufmerksam, der - entgegen allen Ratschlägen - seiner Überzeugung treu blieb und dafür in den Tod ging. Der mit seinem Blut für seine Überzeugung eintrat und daher ein Märtyrer, wenn nicht ein Heiliger, zu nennen ist. Franz Jägerstätter hatte eine Jugend hinter sich wie hunderte Bauernburschen auch. Er war ein guter Schüler; als einziger Sohn seiner Mutter (ihre spätere Ehe mit dem Leherbauern Jägerstätter war kinderlos geblieben) sollte er einmal den Hof seines Ziehvaters übernehmen. Gordon Zahn will bei seinen Umfragen unter den Dorfbewohnern herausbekommen haben, daß er ein sehr lebhafter und lebenslustiger Jungbauer war, ja, daß er etwas "wüster" als seine Altersgenossen gewesen sei. Es war der erste im Dorf, der sich ein Motorrad kaufte. Er hatte um diese Zeit ein lediges Kind, zumindest zahlte er für ein Kind, dessen Vater er sein hätte können. Und das soll ein Heiliger sein?

Ganz plötzlich wurde aus dem wilden Burschen ein frommer Mann. Wie es dazu kam, ist nicht leicht ergründbar - alle seine Nachbarn verlegen die Verwandlung ungefähr in die Zeit um 1936, da er sich verheiratete und mit seiner jungen Frau eine Romreise unternahm.

"Heute werde ich diesen schweren Schritt wagen", schrieb Jägerstätter am 1. März 1943 an seine Frau. Er war der festen Überzeugung, daß der Krieg Hitlerdeutschlands ein ungerechter und verbrecherischer Angriffskrieg sei und dass es mit seinem Christsein unvereinbar wäre, an diesem Krieg teilzunehmen« So verweigerte er an diesem Tag den Fahneneid. Am 6. Juli 1943 wurde er "wegen Zersetzung der Wehrkraft" zum Tode verurteilt. Jägerstätters Pflichtanwalt hat die Verhandlung später geschildert: Alle Anwesenden waren sich der Einmaligkeit des Falles voll bewußt, zuletzt hatten die Offiziere, des Gerichts, das Jägerstätter zu verurteilen hatte, den Angeklagten geradezu angefleht, sie nicht zur Fällung des Todesurteiles zu "zwingen".

"Ich bin innerlich ganz mit dem Herrgott verbunden und jede Lesung würde mich nur im Verkehr mit meinem Gott hindern". Dies sagte Jägerstätter dem Priester, der ihm empfahl, vor der Hinrichtung in der Bibel zu lesen, mit strahlendem, zuversichtlichem Lächeln. "Ich habe die Gewißheit, daß dieser einfache Mensch der einzige Heilige ist, der mir in meinem Leben begegnet ist", sagte der Gefängnispriester über ihn am 9. August 1943, nachdem er enthauptet wurde.

Jägerstätter hat seinen ungewöhnlichen Entschluß nicht überhastet gefaßt, er hat jahrelang darüber nachgedacht und seine Gedanken auch zu Papier gebracht. Weil er das, was er für richtig hielt, unbeirrt durchführte, unbeeindruckt auch von allen Interventionen der Amtskirche, gäbe es für unsere Zeit, die das Gewissen wieder viel mehr al die oberste Instanz ansieht und die zur Mündigkeit des Laien aufruft, einen vortrefflichen Heiligen ab, wenn man unter einem Heiligen ein Vorbild sieht, das man nie erreicht, das man aber als Ideal anerkennt und anstrebt.

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