Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Juli 1994
Kategorisierung Golf; Sport; 1994

Droge Golf

Der frühere beamtete Sportreferent des Landes, mit einer gewissen Lust zum Fabulieren ausgestattet, sagte einmal: "Vierzehn Tage nach einem Amateurradrennen wird die Wiese, auf der die Fahrer sich vor dem Start noch einmal erleichtert haben, gelb und grau - von den vielen Substanzen, die sie alle schlucken." Wer mit Lehrern an Skigymnasien spricht, wird hinter vorgehaltener Hand erfahren: Alle, die von der Leistungskraft ihres Körpers leben, neigen dazu, mit Chemie nachzuhelfen. Diego Maradona wollte das auch. Und die vielen anderen, die nicht erwischt werden.

Die Ausübung eines Sports ist selbst mit einer Sucht vergleichbar - wer kennt nicht Menschen, die gar nicht anders können, als jede Woche mehrere Bergtouren zu unternehmen, und die darüber Beruf, menschliche Beziehungen und alle anderen Interessen vergessen?

In der Diskussion darüber, ob die Ersatzdroge Sport junge Menschen davon abhalten könnte, die - natürlich viel gefährlicheren - illegalen Drogen zu konsumieren, hat sich die Gattin des Bundeskanzlers zu Wort gemeldet: Golf sollten sie alle spielen, sagte sie in aller Unschuld und voll Überzeugung. Als Marie-Antoinette davon hörte, daß in Paris Menschen demonstrierten, weil sie kein Brot hätten, sagte sie, auch in aller Unschuld: "Sollen sie halt Kuchen essen." Das ist recht genau 200 Jahre her. Daß die Gattin des obersten Sozialdemokraten uns allen empfiehlt, die Kinder in den Golfclub zu schicken, belegt neben anderem, daß sie nicht genau weiß, wie hoch das Durchschnittsgehalt hierzulande ist. Es würde, bei einer Familie mit zwei, drei Kindern und nur einem Verdiener, gerade dazu ausreichen, die laufenden Kosten für den Golfsport zu berappen. Zum Leben bliebe dann fast nichts mehr übrig.

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