Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 14. Dezember 2000
Kategorisierung EU;Transit; 2000

Dritte Fahrspur

Als die Erdgasleitung im Inntal verlegt wurde, da fragten viele nach, warum man diese nicht in die Böschung der Autobahn verlegt. Nein das geht nicht, wurde gesagt, das mache später einmal eine dritte Fahrspur für die Autobahn unmöglich. Bei den Verhandlungen für die neue Bahnlinie dasselbe Ansinnen: Es wäre doch klüger, die neue Trasse an manchen Stellen näher an die Autobahn heranzuführen, damit möglichst wenig wertlose Restflächen übrig bleiben. Geht nicht, wegen der künftig nötigen dritten Spur.

Der freie Warenverkehr ist einer der Grundwerte der EU. Mit dieser Begründung wurde im September der Transitvertrag mit Österreich gebrochen. Schon ein paar Tage vor der Verabschiedung der diesbezüglichen Verordnung sagte man den Abteilungsleitern der Landwirtschaftskammer im Österreichhaus (!) in Brüssel, wir müssten das ganz wertfrei sehen. Und frei von Emotionen. Der Grundwert des freien Warentransportes sei viel höher zu veranschlagen als der Wunsch nach Vertragstreue.

Wenn daher, was mit Sicherheit zu erwarten ist, in ein paar Jahren der Verkehr auf der Inntalautobahn zusammenbrechen wird, dann werden wir verpflichtet, eine dritte Fahrspur zu bauen. Alles andere wäre gegen den europäischen Wertekatalog, in dem die Freiheit des Warenverkehres ganz oben steht - lange vor so altmodischen Wunschvorstellungen wie die nach der Erhaltung eines gesunden Lebensraumes. Oder der nach der Einhaltung von Verträgen.

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