Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 4. Februar 1999
Kategorisierung Sprache; 1999

Dings, Dings

Auf der Gemeindeversammlung höre ich meinem bäuerlichen Bürgermeister zu, wie er spricht: Gut vorbereitet, mit einfachen Worten, mit leichter Dialektfärbung. Es bleibt gelegentlich Zeit, darüber nachzudenken, wie andere im Land, auch Akademiker, reden: Ständiger Wechsel von der Schriftsprache in die örtliche Mundart (entweder oder wäre gefragter); überflüssige Fremdwörter und Modewörter ("vor Ort" in jedem zweiten Satz), falsche Bilder (das Handtuch wirft z. B. nicht der, der aufgibt, sondern sein Trainer). Sie ändern sich nicht, weil ihnen niemand sagt, wie schlecht sie reden. Sie fallen gar nicht auf, weil es im Lande fast keine guten Redner gibt. Natürlich sind die Sorgen der Leser dieser Zeitung ganz andere. Sie wollen wissen, wann sich der Schweinepreis erholt, oder wann auch Frauen, die nicht Lohnempfängerinnen sind, Karenzgeld bekommen. Ob der, der ihnen bei der Lösung der Probleme hilft, ständig "Dings" sagt - ich bin von Dings-Sagern umgeben - ist ihnen ganz egal. Mir ist es, mangels größerer eigener Sorgen, nicht egal. Ich bestehe darauf: Der Umgang mit der Muttersprache ist ein Anzeichen dafür, wie es in dem Kerl innerlich ausschaut. Auch der Dings, wie hieß er doch gleich, na, sag schon, der meinte das auch.

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