Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Die Welternährung kennt keine Überschüsse

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Tageszeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 14. Dezember 1968
Kategorisierung Ernährung; Agrarisches; 1968

So unerfreulich die derzeitige Überschußproduktion in der heimischen Landwirtschaft für die Agrarpolitiker ist - umso gelöster wird ihre Miene, wenn sie sich in der weiten Welt umschauen. Nach zuverlässigen Statistiken steigt die Getreideernte pro Kopf in den entwickelten Ländern zwar ständig, in den Entwicklungsländern Lateinamerika, Asien (ohne Japan) und Afrika (ohne Südafrika) hat hingegen die Getreieernte pro Kopf einen tieferen Stand erreicht als vor 10 Jahren, weil die Bevölkerung dieser Länder schneller wächst als deren Getreideproduktion. Nicht daß die Agrarpolitiker unserer Breiten das Elend der Entwicklungsländer gefühlskalt ließe - es gibt ihnen aber die Gewißheit, daß unsere "Sorgen" mit der Überproduktion nur vorübergehend sind. Daß diese "Sorgen" es eigentlich nicht verdienen, so genannt zu werden.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten, des weltweiten Hungers Herr zu werden: o die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion oder o die Verringerung des Bevölkerungswachstumes. Da aber selbst von der gegenwärtigen Weltbevölkerung nach vorsichtigen Schätzungen etwa zwei Drittel unzureichend - das heißt: mangelhaft oder gefährlich einseitig ernährt sind, heißt dies: Die Nahrungsmittel Produktion unserer Welt muß auf alle Fälle gesteigert werden.

Alle Fachwissenschaftler sind sich darin einig, daß heute schon die technischen Voraussetzungen dafür gegeben sind, eine Bevölkerung von 6 Milliarden ausreichend zu ernähren (momentan stehen wir bei etwa 3,3 Milliarden). Von der festen Erdoberfläche sind gegenwärtig nur 10 Prozent als Ackerland und etwa 15 Prozent als Grünland genutzt, etwa 50 Prozent sind Ödland, Gebirge und Wüste, die restlichen 25 Prozent sind Wald. Es ist lediglich eine technische Frage, wie man durch Bewässerung oder Rodung noch erhebliche Flächen der Nahrungsmittelgewinnung nutzbar machen könnte. Von den ungeheuren Reserven der Weltmeere ganz zu schweigen. Der österreichische Butterberg ist zur Zeit etwa 3.000 Tonnen hoch. Das sind 3 Millionen Kilogramm oder 1/2 kg pro Österreicher. Wie wenig das ist, erwies sich, als dieser Butterberg teilweise zu Butterschmalz umgewandelt werden sollte. Da gab es nicht nur zu wenig Butterschmalz, sondern in jene Buttergebiete, die besonders viel Butterschmalz produzierten, mußte aus Käsereigebieten Milch umgeleitet werden, damit die Butterversorgung dort aufrecht erhalten werden könnte.

Überschüsse - mit all den Kosten, die ihre Lagerung und Verwertung verursacht - sind der Preis für die garantiert ausreichende Versorgung. Wenn zu wählen ist zwischen einer gerade noch bedarfsdeckenden Produktion (die dann bei Mißernten oder Panikkäufen nicht ausreicht, um alle Käuferwünsche zu erfüllen) und einer geringen Überschußproduktion, die uns die Gewißheit gibt, daß wir uns nie um die auf dem Weltmarkt immer seltener und teurer werdenden Güter raufen werden müssen, sollte die Wahl eigentlich nicht schwer fallen.

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