Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Februar 2007
Kategorisierung Bawag; Helmut Elsner; 2007

Die Unschuldsvermutung

Die Befriedigung darüber, dass Helmut Elsner nun endlich nach Österreich überstellt wurde, ist das eine. Das andere ist, dass er in einem Rechtsstaat, dem wir doch anhängen, so lange als unschuldig gilt, bis er nicht gerichtlich verurteilt wurde. Ob die Schadenfreude darüber, dass einer, der in einer der teuersten Gegenden der Welt in Saus und Braus gelebt hat, nun ein Zweibettzimmer im "Grauen Haus" bewohnen muss, erlaubt ist, das muss jeder mit sich selber ausmachen.

Die schönste Freude ist die Schadenfreude nur im Sprichwort - aber Sprichwörter verbreiten doch sehr oft den baren Unsinn. Für die "Kronenzeitung" ist das alles nicht des Nachdenkens wert. Aber dieses Blatt kann wirklich nicht unser Maßstab sein. Es geht um etwas ganz anderes, und das betrübt die aufrechten Sozialdemokraten so sehr: Dass alles das, was da passiert ist, in der Bank der Gewerkschaft passiert ist. Dass jener abscheuliche Kapitalismus, den nicht nur Sozialisten, sondern genau so heftig, oder noch heftiger, ehrbare Christlichsoziale bekämpfen, sich so ungehindert breitmachen konnte. Und vor allem ist es der neuerliche Beleg dafür, was Aufsichtsräte nach einem sehr bitteren Scherzwort zu tun haben: Sie haben zu raten, was sie beaufsichtigen sollen. Man sollte sie viel mehr als bisher zur Haftung heranziehen.

Seit 1811 steht im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch: Wer sich eines Amtes befleißigt, haftet für sein Amt. Wer den Posten eines Rechnungsprüfers irgendeines Kleinvereines annimmt, haftet, wenn der Kassier betrogen hat: Weil er sich zum Rechnungsprüfer wählen ließ. Ob das alle kleinen Rechnungsprüfer wissen? Und alle Aufsichtsräte, die für ihr Dasitzen und Kopfnicken auch noch Geld bekommen ..?


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