Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 2003
Kategorisierung ORF; Sozialstaat; Licht ins Dunkel; 2003

Die Schnorrer vom ORF

In den kommenden Wochen wird es nicht möglich sein, einen ORF-Sender einzuschalten, ohne aufgefordert zu werden, für "Licht ins Dunkel" zu spenden. Alles, was im eigenen Haus Rang und Namen hat, macht dafür Reklame, und auch Leute von außer Haus, bis hin zu Spitzenpolitikern und kirchlichen Würdenträgern. Und was soll daran zu kritisieren sein? Wenn die Menschen ihre Herzen und ihre Brieftaschen aufmachen, um anderen, die irgendwie zu kurz gekommen sind, wenigstens mit Geld zu helfen? Nach den bisherigen Abrechnungen und den heurigen Werbungen wird das hier gesammelte Geld zu einem guten Teil für Einrichtungen ausgegeben, die nicht betteln gehen müssen, sondern die einen Rechtsanspruch auf Bezahlung ihrer Kosten haben. Keine Sonderschule für Schwerstbehinderte kann von den Spendengeldern leben - sie braucht und erhält daher auch den Großteil ihres Budgets von den Budgets des Bundes, der Länder und der Gemeinden. Das ist auch gut und recht so. Die ausreichende Dotierung all dieser Institutionen ist eine der vielen Verbesserungen, die unsere Zeit von früheren Zeiten unterscheidet, als man Behinderte, Kranke verlachte, wegsperrte, sterben ließ oder umbrachte. Die Raffinesse von "Ist da jemand?", der Aufwand für die anstaltseigene Schnorrersendung bewirkt, dass gute andere Einrichtungen, die wirklich auf Spenden angewiesen sind, leer ausgehen. Daher, nach reiflicher Überlegung: kein Euro für Licht ins Dunkel; und alles denen, die es wirklich brauchen.

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