Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Die Landwirtschaft im Rundfunk

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum  ? November 1967
Kategorisierung ORF; Presse; 1967

Nach dem Gesetz ist der Rundfunk verpflichtet, der Verbreitung von Wissenschaft und Kunst zu dienen, aktuelle Informationen zu bringen und das Publikum zu unterhalten. Die Landvirtschaft ist vor allem an der Verbreitung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in allgemein verständlicher Art, also an der Volksbildung interessiert. "Rundfunk" ist der Sammelbegriff für "Hörfunk" (im Volksmund "Radio" genannt) und "Fernsehfunk" (als "Fernsehen" bekannt). Im Hörfunk gibt es drei Programme: Österreich Regional, Österreich 1 und Österreich 3; das Fernsehen strahlt 2 Programme aus, wobei das 2. Programm den irreführenden Namen "Technisches Versuchsprogramm" trägt und im Westen Österreichs nicht empfangen werden kann. Auch die anderen Programme können bei weitem nicht im ganzen Lande gehört und gesehen werden. Das Gesetz verpflichtet aber den Rundfunk, dafür zu sorgen, daß tatsächlich alle Staatsbürger gute Empfangsmöglichkeiten haben. Im Hörfunk sind Österreich 1 und Österreich 3 in allen Bundesländern gleichlautend. Dort ist also für Dinge, die nur rein lokales Interesse für sich beanspruchen können (z. B. Lokalnachrichten) kein Platz. Österreich 1 soll das Programm werden, mit dem man sich auch vor dem Ausland nicht zu schämen braucht. Es wurden daher aus allen Bundesländerstudios fähige Leute nach Wien gelockt - sehr zum Mißfallen der Länderintendanten. Aus Tirol waren dies z.B. der allseits bekannte Ernst Griessemann und Dr. Hermann Egger von der Unterhaltungsmusik. So wie es in Österreich 1 Sendungen gibt, die von den einzelnen Länderstudios gestaltet werden, gibt es auch im Regionalprogramm Sendungen, die alle Länderstudios gleichzeitig senden. Zu diesen sogenannten Ringsendungen zählt z. B.

der Landfunk.

Dieser wird abwechselnd von allen Länderstudios gestaltet und täglich von 11.30 Uhr bis 11.45 Uhr gesendet. Er ist eine der ältesten Sendungen des Rundfunks überhaupt; die ersten Versuche, der Landwirtschaft das neue Medium Rundfunk dienstbar zu machen, sind schon über 40 Jahre alt. Unmittelbar auf den Landfunk folgt auf derselben Welle die meistgehörte Rundfunksendung ("Autofahrer unterwegs"); man kann daher vermuten, daß auch mancher nichtbäuerliche Hörer den Landfunk zufällig mithört, weil er schon für die Autofahrersendung aufgedreht hat.

Alle anderen landwirtschaftlich interessanten Sendungen im Hörfunk werden jeweils nur in dem Bundesland gesendet, in dem sie auch gemacht werden. Es sind dies:

  • Täglich um 5.45 Uhr der Bauernfunk. In dieser 5 Minuten dauernden Sendung werden beratende Vorträge geboten.
  • Täglich von 7.45 Uhr bis 8.00 Uhr strahlt Studio Tirol die Sendung "Wir empfehlen heute ... " aus. Die Marktberichte für die Hausfrau, die darin zu hören sind, sind für die Tiroler Bauern als Produzenten und als Konsumenten gleichermaßen interessant.
  • In den über den ganzen Tag verstreuten "Nachrichten aus Tirol" und in den Reportagen, die nun "Informationen aus Tirol" heißen (früher "Echo der Zeit"), wird aus der Landwirtschaft ebenfalls berichtet, soweit interessante Neuheiten vorliegen.

Nach dem Rundfunkgesetz muß der Rundfunk den Interessenvertretungen "je nach ihrer Bedeutung" eine gewisse Sendezeit zur Verfügung stellen. Die Tiroler Landwirtschaft erhielt für diese "Belangsendung" an jedem 2. Freitag im Monat die Zeit von 13.30 Uhr bis 13.45 Uhr zur Verfügung gestellt. Es wird hier nicht Interessenspolitik nach der Holzhammermethode anderer Organisationen gemacht, vielmehr wird dabei über wirtschaftlich, politische und kulturell interessante Fragen gesprochen.

Im Fernsehen wurde, schon im Frühjahr, die Beratungssendung für die Landwirtschaft "Mit Rat und Tat" gestrichen. Eine Wochenzeitung schrieb damals, der Herr Fernsehdirektor müsse wissen, daß man nicht nur ausholzen, sondern auch wieder aufforsten müsse. An Stelle der Beratungssendung wurde nun ab Oktober die Sendereihe "Die grüne Welt - neues aus der Land- und Forstwirtschaft" aus der Taufe gehoben. Einmal im Monat wird in dieser Sendung gezeigt, was sich in der Landwirtschaft tut, allerdings nicht in der beratenden Form wie bisher, sondern in einer Form, die vor allem die Neugierde befriedigen will und die möglichst aktuell sein soll. Dies ist ja überhaupt das größte Anliegen der neuen Chefs bei Hörfunk und Fernsehen: immer der neuesten Neuigkeit auf den Fersen zu sein.

Wie bisher wird im Fernsehen das "Internationale Agrarmagazin" gesendet. Einmal im Monat erfährt man dabei, wo die Bauern in anderen Ländern der Schuh drückt oder was sie an interessanten Neuerungen zu bieten haben.

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