Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium unveröffentlicht
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 1968
Kategorisierung Sitten; nicht gedruckt; 1968

Die Gedanken sind Frei

Unter dem Schriftbild "Mut zur Wahrheit" saß beim großen Jungbauerntag der Chor der "Höheren Bundeslehranstalt für landw. Frauenberufe" in Kematen. Sie sangen recht nett, unter anderem das Liedchen von den Gedanken, die frei sind und die niemand erraten kann.

Ja, die Gedanken! Mit einiger Anstrengung ist es verbunden, sich welche zu machen. Künftige Beraterinnen, Berufsschullehrerinnen und Haushaltungsschullehrerinnen sollte es aber doch nicht zu schwer fallen, manchmal nachzudenken. Etwa über die Frage, ob man zu einem Faschingsfest zu gehen im Begriffe ist oder zu einer Festveranstaltung. Und je nachdem wird man sich anziehen. Außer ein paar Ausnahmen, die wußten, auf welcher Veranstaltung sie waren, kleideten sich die munteren Sängerinnen so, daß es zum Weinen war. Die gut gekleideten Mädchen fallen ja nicht so auf, wie etwa jene süße Kleine (1. Reihe, 2. von links), deren Rocksaum über der Mitte zwischen Kniekehle und ... wie nenn ich es nur, lag. Als sich die kleine Unbekannte, mit dem Rücken zum Publikum, nach ihrem Sesselchen bückte, wußten alle, wie weit ihre Glitzerstrümpfe hinaufgehen ...

Sehr wenig gegen Röcke, die etwas über dem Knie enden. Sehr wenig gegen Glitzerstrümpfe zu einem Cocktailkleid. Aber ein Dirndl ist kein Partykleid und ein Jubiläum ist keine Party.

Die Gedanken sind frei. Sehr viele Festgäste machten von diesem Recht Gebrauch und machten sich über die "Kematerinnen" ihre Gedanken: Ob sie in der kurzen Zeit, in der sie noch in der Schule sind, all das an Bildung, Erziehung und Geschmack mitbringen können, was ihnen offensichtlich jetzt noch fehlt. - Und was sie als Beraterinnen oder Lehrerinnen ganz gut brauchen könnten.

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