Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

Wechseln zu: Navigation, Suche
Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum nachzutragen
Kategorisierung Historisches; Winfried Hofinger; Hochschulen

Die Akademikerschwemme

Regelmäßig liest man in unseren Zeitungen, dass es in Österreich viel zu wenig Akademiker gibt Nicht einberechnet wird dabei, dass es in Österreich (und fast nur da) Absolventen von berufsbildenden höheren Lehranstalten aller Art gibt, die in ihrer Brauchbarkeit einem Akademiker um nichts nachstehen. Ein guter Fachmaturant, ein guter Fachhochschulabsolvent (neu), ist jedem schlechten Akademiker vorzuziehen. Vor ein paar Tagen las man in denselben Zeitungen, wie viele stellungslose Akademiker es im selben Staate Österreich gibt. Juristen und Betriebswirte in mehreren Hundertschaften; das geht herunter bis an die hundert Forstwirte, die kein Graf, kein Kloster und kein Staatswald mehr anstellen will. Vergebens haben sie sich bemüht, einen guten Abschluss gemacht, und nun sind sie arbeitslos. Sie gehen von einem Vorstellungsgespräch zum anderen und stoßen dort auf gleich gut qualifizierte Kollegen. Und nur einer von fünfzig bekommt den Posten.

Der Verfasser dieser Zeilen hat, was er einmal geschrieben hat, aufbewahrt. Im Jänner 1970 hat er in einem Artikel für die "Salzburger Nachrichten" die Warnung vor einem drohenden Akademiker-Proletariat ausgesprochen. Natürlich hat niemand darauf gehört. Und jenen, die nun, bestens ausgebildet, zu Hause sitzen und auf die nächste Absage warten, nützt das schon gar nichts, dass irgendein G'scheitele schon vor 33 Jahren das alles vorausgesagt hat. Damals habe ich, frisch bestallter Akademiker, die Einführung einer Aufnahmesperre auf den Universitäten vorgeschlagen. Blanker Unsinn: Und gegen die so genannte akademische Freiheit.


Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen