Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 26. Novenber 1987
Kategorisierung Kirchliches; 1987

Diakonia

Mitte November wurden in Innsbruck zwei verheiratete Männer zu Diakonen geweiht. Der eine hat einen Schwerpunkt seines Wirkens bei den Schwerstbehinderten, der andere bei (ehemaligen) Trinkern. Beim Weiheakt standen zwischen vielen gesunden auch drei mongoloide Ministranten im Altarraum; die Lesung trug mit fester Stimme ein derzeit trockener Alkoholiker vor - nach Meinung der anonymen Alkoholiker kann man von ihrer schweren Krankheit ja nicht wirklich geheilt werden, man kann "nur" mit Hilfe von guten Freunden und mit Gottes Hilfe lange Zeit ohne Alkohol leben. Diakonia heißt, wörtlich übersetzt, Dienst. Der Diakon ist Diener an der Gemeinde. Das Hereinnehmen der Schwachen und Kranken in die Gemeinde sollte nicht etwa als die verzweifelte Suche nach Ersatz für andere Gruppen, die inzwischen teilweise aus der Kirche ausgezogen sind, gesehen werden. Die Zuwendung zu diesen Gruppen geschieht in direkter Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus. Von Spießbürgern unserer Art hat er sehr wenig gehalten.

Wir neigen dazu, diese Dienste der Caritas, den Klosterfrauen, den Sozialarbeitern, den Krankenhäusern zu übertragen. Wie sonst wäre es zu verstehen, daß die beiden Diakone die Mitwirkung ihrer Schützlinge an ihrem großen Tag mit dem Hinweis erzwingen mußten, daß sonst, wenn das nicht möglich wäre, ihre Weihe sinnlos wäre? Diener an der Gemeinde heißt also offenbar nicht, ihr stummer Sklave ohne eigene Meinung zu sein. Gemäß dem biblischen Motto: Dem dreschenden Ochsen sollst Du nicht das Maul verbinden.

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