Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 19. Juni 1986
Kategorisierung Empfängnisregelung; 1986

Der Meinungsterror

In diesem Mai unseres Mißvergnügens hat sich in Salzburg etwas ereignet, das alle Verfechter des freien Wortes und unserer relativ freien Gesellschaft mit Angst und Schrecken erfüllen muß: Eine auf Hochschulboden geplante Veranstaltung zum Thema "Fristenlösung" wurde mit nackter Gewalt verhindert. Es ist zwar nicht leicht vorstellbar, daß jemand ehrlichen Herzens die sogenannte Fristenlösung für eine gute Sache hält. Sie hat sich, wie die Veranstalter aufzeigen wollten, als besonders gewalttätige Form der Empfängnisregelung etabliert. Es ist schon möglich, daß jemand einen ein paar Monate alten Embryo nicht für einen Menschen hält. Aber es ist ganz und gar unerträglich, daß die Verfechter dieser "Fristenlösung" eine Veranstaltung von Leuten anderer Ansicht mit Gewalt verhindern. Das ist das Ende.

Warum darüber (außer auf der Titelseite der "Salzburger Nachrichten") fast nirgends mit jenem Ernst und jenem Einsatz geschrieben wurde, dessen die Sache würdig wäre? Weil die meisten Meinungsmacher in unserem Land die Fristenlösung lange nicht für so grauslich halten, wie sie das wirklich ist? Aber bitte, es geht da doch gar nicht um die Fristenlösung! Es geht um das freie Wort! Ich würde mich genau so erregen, wenn eine Veranstaltung für die Fristenlösung oder eine, die den Überfall der Sowjetunion auf Pakistan, Polen und Böhmen erklären und verteidigen wollte, verboten oder gesprengt würde. Allerdings brauche ich mich da nicht zu bemühen - eine solche Veranstaltung würde erstens nicht gewaltsam verhindert, und wenn, würde die ganze Meinungspresse aufschreien.

Ich schreibe das wegen Salzburg deshalb nieder, daß ich in ein paar Jahren sagen kann: Ich war von Anfang an dagegen. Gegen was? Gegen diesen linken Faschismus.

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