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Der Forstmann Adolf Trientl

Autor Winfried Hofinger
Medium Festmeter
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum Dezember 2005
Kategorisierung Adolf Trientl; Agrargeschichte; 2005

Priester, Wanderlehrer, "Mistapostel"

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zog der Priester Adolf Trientl durch das ganze kalte Tirol, um die Bauern aufzuklären. Da er dabei auch sehr viel über die "Goldtinktur der Jauche" (die man nicht nutzlos über die Dorfgasse abrinnen lassen sollte) und über die "Gottesgabe des Mistes" sprach, trug ihm nicht nur Bewunderung ein. Den Übernamen "Mistapostel" verpassten ihm angeblich seine geistlichen Mitbrüder, die ihm wohl seine Popularität ein wenig neideten. Aber Trientl hat sich nicht nur mit der Düngerlehre befasst. Seine forstlichen Schriften sind ebenso bemerkenswert - und sie sind von zweierlei geprägt: Er bekämpfte mit den Forstleuten die damals weit verbreitete barbarische Behandlung der Wälder und er sah, in den Zeiten vor der Verbreitung der Eisenbahn, vor dem Bau von Elektrizitätswerken und angesichts der Zunahme der Bevölkerung, und eben wegen der schlechten Waldbehandlung eine allgemeine Holznot voraus. Der Wald war für viele Bauern in erster Linie eine Fläche, auf der leider wenig Gras und gar kein Getreide wuchs. Wer den Wald schädigte, indem er Streu kratzte, Bäume schneitelte oder die Ziegen hineintrieb, schädigte damit sehr oft nicht den eigenen Wald - sondern den der Gemeinde oder den des Ärars.

Aufklärung statt Strafen

In zahlreichen Schriften und auf seinen Vortragsreisen als erster Tiroler Wanderlehrer hat Trientl diese Missstände nicht nur beklagt, sondern auch Alternativen aufgezeigt. Gegen die Holzverschwendung hilft die Einführung von Sparherden anstelle der damals noch weit verbreiteten offenen Herde. Den Torfabbau propagierte er beispielsweise in Gurgl oberhalb der Waldgrenze mit Frfolg. Auch wäre eine Raumtemperatur von 16 Grad (natürlich Reaumur, das wären 20 Grad Celsius) ausreichend .

  • Das Streukratzen sei ganz überflüssig, weil der gute Bauer keine Waldstreu brauche.
  • Die Waldweide dürfte nur dort gestattet werden, wo sie den Wald nicht schädigt.
  • Die Ziegen sollte man, so man sie in einer Aufforstungsfläche erwischt, alle sofort standrechtlich erschießen schreibt Trientl in seiner auch sonst sehr deftigen Sprache.

Energieholz

Ausführlich hat sich Trientl mit der Schutzfunktion des Waldes befasst. Aber, so sagt er, man dürfe vom Wald auch nicht zu viel verlangen. Am besten zitiert man ihn immer wörtlich: "Es ist auch nicht wahr, daß der Wald jede Regenmenge, welche in wenigen Stunden vom Himmel fällt, unschuldig vertheilen und ablaufen lassen kann ... Der Wald kann nichts dafür, daß Regengüsse kommen, welche stärker sind als er, und ihn selbst mitreißen. Solche Ereignisse sind in den Gebirgsländern zwar selten ... aber sie treten doch bald da, bald dort ein, und dann gilt allein mehr das unbarmherzige Wort: Was droben ist, muss einmal herunter. Und deßhalb gestaltet sich das Leben in vielen Gebirgsländern als ein fortwährender Kampf ums Dasein." Als 1965 und 1966 in Osttirol mitten ausgeschlossenen Wäldern Muren abbrachen, war das Erstaunen darüber groß ... Ein weiterer Beleg für Trientls wachen Geist: Im Jahre 1878 empfiehlt er im "Bothen für Tirol" die Anlage von Alleen oder Plantagen mit Schwarzpappel auf schlechten Boden - allerdings nur unter 1.300 m Seehöhe. Wann wurden in Österreich die ersten solchen Kulturen mit Energieholz ange-legt? Im Tiroler Forstverein, dessen Vorstandsmitglied Trientl viele Jahre lang war, hat man ihn sehr geachtet. War er doch der Einzige unter ihnen, der sich der echten Volksbildung mit großer Fachkenntnis und hohem persönlichen Einsatz jahrzehntelang widmete.


LEBENSLAUF ADOLF TRIENTL

"Ich bin geboren in Oetz im Oetzthal, am 26. August 1817. Mein Vater war Landarzt. Ich studirte vom Jahre 1829 bis 1835 am Gymnasium in Hall, trat in Graz in den Jesuitenorden ein ... Zum Priester wurde ich geweiht im Jahre 1845 in Innsbruck. Im Jahre 1848 trat ich nach der Auflösung des Jesuitenordens in die Seelsorge, wurde Hilfspriester in Inzing, Kooperator in Heiterwang und Umhausen. Von dort kam ich als Supplent für Mathematik und Physik an das Obergymnasium zu Feldkirch. Am Ende des Schuljahres 1856 stand ich als Provisor in der Kuratie Gurgl ein, wo ich 7 recht vergnügte Jahre zugebracht habe." So weit Trientl selbst, hier ganz leicht gekürzt, über die erste Hälfte seines bewegten Lebens. Es geht nicht mehr so unruhig weiter: 1864 wird er Kurat in Gries im Sulztal (oberhalb von Längenfeld). Von dort aus macht er seine ersten beiden, mehrere Wintermonate dauernden Wanderreisen. Unterstützt hat ihn dabei die Witwe nach Kaiser Franz, Carolina Augusta. 1871 wird er 2. Waldaufscher Kaplan in Hall, und damit (auch finanziell) von Brixen unabhängiger. Durch viele Jahre ist er Vorstandsmitglied im Tiroler Forstverein, Schriftleiter der Landwirtschaftlichen Blätter und des Landwirtschaftskalenders.

Hochbetagt resigniert er 1895 als Waldaufscher Kaplan und zieht sich in die Fraktion Köfels oberhalb von Umhausen zurück. In Umhausen stirbt er am 6. März 1897; im Totenbuch steht: "Gottergeben, nach mehrmaligem Empfang der Sterbesakramente." Die erste Belebung seines Andenkens fand, angeregt durch Hans Schermer, 1967 in Ötz statt (zum 150. Geburtstag; Festredner Eduard Wallnöfer). 1992 erschien das Buch "Der Mistapostel", es gab eine Ausstellung in Ötz, und Trientltage an der Lehranstalt Imst. Eine Trientlgasse gibt es in Innsbruck und Hall.

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