Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium präsent
Texttyp Kommentar, Scheibenwischer
Erscheinungsdatum Frühjahr 1983
Kategorisierung Peter-Prinzip; Friedrich Peter; Nationalsozialismus; 1983

Das "Peter-Prinzip"

Friedrich Peter war unbestritten Mitglied einer Truppe, die - jedenfalls zeitweise - keinen anderen Auftrag hatte als Mord. Niemand muß einen Angehörigen dieser SS-Einheit dabei gesehen haben, wie er Kinder und Erwachsene ermordet hat. Die Mitgliedschaft bei einer solchen Truppe schloß die Erfüllung des Auftrages durch ihre Mitglieder zwingend ein. Es ist ja keineswegs so, daß dieses blutige Handwerk den jungen Männern Spaß gemacht hätte. Viele von ihnen, die nicht den Mut hatten, sich davon abzumelden, sind daran seelisch zerbrochen. Die Leute daheim verspürten manchmal sogar fast so etwas wie Erleichterung, wenn ein verwandtes Mitglied einer solchen Truppe fiel, weil sie sich nicht vorstellen konnten, wie sich jemand nach solchen Erlebnissen wieder zu einem normalen Menschen entwickeln konnte.

In diesen Mordbrigaden gab es eines sicher nicht: Daß alle anderen es einem einzigen durchgehen ließen, daß er sich am grausigen und auch als grausig empfundenen Auftrag der Einheit nicht beteiligte. In ihrem schlechten Gewissen darüber, was sie tagaus, tagein erledigen mußten, konnten sie gar nicht zulassen, daß sich ein einzelner an der gemeinsamen "Drecksarbeit" nicht beteiligte, den feinen Herren mit Gewissen spielend ...

Auch wenn damit nach geltendem Recht dennoch nichts über "Schuld" oder "Unschuld" eines einzelnen Mitglieds gesagt werden darf, ist allein schon die Zugehörigkeit zu einer solchen Mordbrigade so ungeheuerlich, daß der Betreffende, mag er sich unwissend oder unschuldig glauben oder nicht, allen Grund hätte, sich für den Rest seines Lebens in sein Privatleben zu verkriechen. Friedrich Peters Wunsch, einer der Präsidenten des Nationalrates zu werden, erinnert fatal an das "Peter-Prinzip". Dieses Prinzip, vom Erfinder nach sich selbst so benannt, lautet, daß jeder Mensch jeweils genau einen Posten zu hoch klettert: Der beste Lehrer wird Schuldirektor - anstatt daß er Lehrer bliebe, weil ihn seine guten Leistungen als Lehrer doch keineswegs zum Direktor qualifizieren. Der beste Zeitungsreporter wird Chefredakteur - er muß nun plötzlich disponieren, verwalten usw., was er oft nicht kann noch mag. Und bei Friedrich Peter: Er ist ein wirklich erfahrener und versierter Parlamentarier. Er ist auch jemand, der glaubhaft jene Leute vertritt, die ein schreckliches System zu Greueltaten verführte, welche die meisten von ihnen viel lieber nie begangen hätten. Und nun soll dieser Mann einer der Präsidenten der Gesetzgebung werden. Und im Falle eines Falles sogar vertretungsweise Staatsoberhauptfunktionen ausüben.

Besonders bezeichnend erscheint, daß dieselbe Partei, die unsere Demokratie in Gefahr sieht, wenn ein kleines Mitglied der "Vaterländischen Front" Bezirkskassier der ÖVP wird, Friedrich Peter nun den weißesten Persilschein ausstellt, den es je gab.


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