Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 28. Oktober 1999
Kategorisierung Jörg Haider; 1999

Chuzpe

Es gibt eine in Wien bekannte Erklärung des Wortes Chuzpe, also einer besonderen Form von Frechheit: Wenn ein Elternmörder bei Gericht für mildernde Umstände plädiert - weil er doch nun Vollwaise ist. Das ist dann eine Chuzpe. Wenn der jüngste aller Landeshaupt-leute seinen Kollegen vorwirft, sie würden nichts arbeiten, sondern nur repräsentieren; wenn er zunächst leugnet, das gesagt zu haben, bis es ihm per Tonband bewiesen wird; wenn dieser Mann wochenlang in aller Welt unterwegs ist, und da lauter Sachen tut, die mit seinem 200.000-S-Job (im Monat) aber schon gar nichts zu tun haben ... dann ist das eine Chuzpe. Derselbe sagt, nein, er sei gar nicht auf einer Veranstaltung der Lega-Nord aufgetreten. Mit Hilfe von Fernseh-aufnahmen wird bewiesen, dass er sehr wohl dabei war und ein paar Worte italienisch gestottert hat. Auguri, also Glückwunsch war zu hören. Niemand geht es etwas an, wo der Kärntner Landeshauptmann seine Wochenenden verbringt; auch nicht, auf welchen Parteiversammlungen er sich herumtreibt. Jedem anderen Politiker würde die Aussage, er sei gar nicht da und da gewesen, obwohl es falsch ist, schwerstens schaden. Besorgte Parteifreunde würden ihm kopfschüttelnd sagen, er müsse in Zukunft überlegen, was er so sagt. Die Wahrheit vor allem, und nichts als die Wahrheit.

Das Phänomen Haider hat sich inzwischen verselbständigt. Er kann tun, was er will. Es gereichen ihm selbst solche Stückchen wie die Leugnung eines gefilmten Auftrittes nicht zum Nachteil. Das sollte endlich zur Kenntnis nehmen, wer ihn auch deshalb furchtet. Und dann sollte darüber nachgedacht werden, warum das so ist. Aber unsereinen fragt ja niemand.

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