Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ?1990
Kategorisierung Kirchliches; Stadl; 1990

Christenheit

Am Vorabend des Herz-Jesu-Sonntages wurden oberhalb von Innsbruck, so wie anderswo, Feuer abgebrannt. Der Brauch ist an die 200 Jahre alt. In den letzten Jahren sind immer weniger Herz-Jesu-Feuer abgebrannt worden; nicht nur, weil es dabei mehrere Unfälle, ja Tote gegeben hat.

Am selben Abend fand in der Innsbrucker Altstadt ein feuchtes Fest statt. Damit alle, die an diesem Rummel teilnahmen, auch wissen, wo sie gerade sind, wurde auf einer Schotterriese unterhalb des Brandjoch (wo Schriftzüge aller Art so darstellbar sind, daß man sie in der Stadt lesen kann) das Wort "Stadtfest" mit Fackeln in den Nachthimmel geschrieben. Am nächsten Tag hat die Landesregierung das Gelöbnis an das Herz Jesu erneuert. Am Abend dieses Sonntages brannten von allen Höhen die Sonwendfeuer, früher einmal bewußt als Gegendemonstration gegen die Herzjesufeuer verstanden.

Bei aller Sympathie für die pluralistische Gesellschaft, für ein Land, in dem jeder auf seine Art glücklich werden kann: Das leuchtende Wort "Stadtfest" auf der Innsbrucker Nordkette hat mich eigenartig berührt: Wenn die "Kultur" der Altstadtfeste, der Zeltfeste und Stadel alles ist, was "nach dem Ende des konventionellen Christentums" kommt, dann ist das nicht eben viel. Es wirkt das hoffentlich auf mehr Leute dürftig und schal.

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