Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

Wechseln zu: Navigation, Suche
Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 16. März 1995
Kategorisierung Spielsucht; 1995

Casinos

Die Märzausgabe der von der AUVA, der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, herausgegebenen Zeitschrift "Sicherheitsmagazin" beschäftigt sich auf zwei vollen Seiten damit, ob jemand in einem Casino auch verunglücken könne. Er kann: Im Landesgericht Linz ging dieser Tage ein Prozeß gegen einen Spielsüchtigen zu Ende, der in Summe 120 Millionen Schilling durchgebracht hatte. Bevor der arme Mann in Österreichs Casinos 1984 ein Hausverbot erhielt - erwirkt von seiner noch ärmeren Familie - war er rund hundert Mal im Jahr dort zu Gast. Er bekam für seine Betriebstreue sogar eine Ehrenkarte. An sich ist, auch an dieser Stelle, zu den Casinos alles gesagt. Ich halte sie für ähnlich unmoralische Anstalten wie ein Bordell. Der Geldverschwendung in Bordellen setzt allerdings die männliche Leistungsfähigkeit Grenzen. Nicht so in Casinos: Dort werden nach wie vor berufliche Existenzen, werden ganze Familien zerstört - weil dort nur eines ganz sicher ist: Es gewinnt niemand anderer als das Haus. Erstaunlich ist in dem Zusammenhang nur, wer das alles nicht wahrhaben will, vom Bundespräsidenten abwärts. 800 Millionen Schilling hat der Umbau des Hauses gekostet. Das Geld kommt garantiert wieder herein. Nicht nur von verunfallten Familienvätern.

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen