Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Bundesforste im Gerede

Autor Winfried Hofinger
Medium Waldwirtschaftliche Blätter
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum Dezember 2000
Kategorisierung Bundesforste; Forstwirtschaft; 2000

Der größte Grundbesitzer, der größte Waldbesitzer im Lande - das ist eine Einrichtung, die dem Waldbesitzerverband einiges Nachdenken wert sein muss.

Die einschneidenden Änderungen ihrer Organisation haben die ÖBF schon hinter sich. Es wurde damals nicht darauf geachtet, wie sehr das alles mit persönlichen Kränkungen von Förstern und Forstmeistern einherging. Heute wird hinter vorgehaltener Hand zugegeben, dass es nicht die feine englische Art war, Männern zwischen 55 und 60 am hl. Abend einen Brief mit der Post zuzustellen, in dem denen ihre Entfernung aus dem Betrieb mitgeteilt wurde. Vom Hopfgarter Betriebsleiter schreibt man am besten gar nichts, um ihm nicht weiter zu schaden. Unbestritten ist, dass der Personalstand aus der Postkutschenzeit heute nicht mehr nötig ist. Die eigentlichen Opfer der Postenkürzung sind die Förster - sie rasen, das Handy am Ohr, nur mehr von einem Schlag zum andern, von einer Baustelle zur anderen.

Mit ihren Eingeforsteten, die bei ihnen Holz-, Streu- und Weiderechte haben, haben die ÖBF ein bemerkenswertes Übereinkommen geschlossen. Früher hat es Ablöseverhandlungen um weniger als einen Festmeter Zaunholz mit gezählten acht Amtspersonen gegeben. Unter Zuhilfenahme der Grundrechnungsarten ist man draufgekommen, dass diese Ablöserei mehr kostet als sie bringt - und dass auf ewig verbitterte Mitbürger eine Folge davon sind. Das 34 Punkte umfassende Übereinkommen schließt solche Ablösen weitgehend aus.

Die neue Bundesregierung hat den ÖBF aufgetragen, Geld aus Grundverkäufen in das Bundesbudget zu liefern. Sprach man zunächst von 3 Milliarden, liegt die aktuelle Zahl im Dezember bei unter einer Milliarde Schilling. Seither werden die ÖBF von sehr vielen Seiten, von denen sie vorher fast nur geschmäht wurden, in Schutz genommen. Für die Mitarbeiter ist die Auferlegung einer Schuldenlast in Milliardenhöhe auch deshalb ärgerlich, weil ihr neues Gehaltsschema eine Gewinnbeteiligung vorsieht - wer aber solcherart belastet wird, kann auf Jahre hinaus sicher keine Gewinne machen. Die ÖBF-Mitarbeiter wollen Forstwirtschaft betreiben, und nicht die Substanz, ihren Arbeitsplatz veräußern.

Welche Flächen gibt es nun von den ÖBF zu kaufen? Vor dem Kauf einer stark belasteten Fläche, auf der Holz, Streu und Weiderecht einem anderen gehören, muss man auf alle Fälle abraten. Die Last geht, wenn nichts anderes vereinbart und agrarbehördlich abgesegnet wird, auf den neuen Eigentümer über. Es bleibt dem neuen Eigentümer nur das Jagdrecht - und die Verpflichtung, Steuern zu zahlen, Wälder aufzubringen, und Eingeforstete zu bedienen. Wer sollte am Kauf so stark belasteter Flächen interessiert sein? - Beispielsweise eine Alm oder eine Agrargemeinschaft, die dadurch Eigenjagdgröße erhält oder ihr Jagdgebiet abrundet. Zu Spekulationszwecken eignen sich Wälder nicht; die Forstwirtschaft bringt weniger Zinsen als jede andere Geldanlage.

Der Forstbetrieb Imst, 113.000 ha groß, reichend von Innsbruck bis zum Arlberg. vom Alpenhauptkamm bis Hinterhornbach, hat uns unlängst eine Liste mit möglichen Verkaufsflächen geschickt. Es sind zusammen 1144 Hektar, ein Drittel davon allein in der Gemeinde Pfafflar. Ob alle Leser wissen, wo die liegt? 8 Hektar in Axams, 30 Hektar in Grinzens, 8 Hektar in Ötz; ganze 214 Quadratmeter in Polling. In der Regel keine Baugründe, eher Ödland. Almen, Wälder. Es wird sich ziehen, bis österreichweit die 30.000 oder gar 50.000 Hektar beisammen sind. Es gibt bei den ÖBF aber auch Splitterparzellen, weitab vom Dienstort des Försters, frei von Belastungen. Diese abzustoßen ist für den Großbetrieb betriebswirtschaftlich sinnvoll; sie zu kaufen kann Bauern mit geringer Waldausstattung geraten werden.

Anfang Dezember stand in den Zeitungen und in allen Fachblättern, dass der Vorstandsvorsitzende der Bundesforste seinen Vertrag vorzeitig auflösen wird. Es darf vermutet werden, dass ihm die aufgetragene Milliardenspende an das Bundesbudget den Entschluss, eine neue Herausforderung zu suchen, erleichtert hat.

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