Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 3. Oktober 1996
Kategorisierung Jagd; 1996
Anmerkung des Herausgebers führte u.a. zu Hofingers "Brunftgedanken", "Wie man in den Wald hineinruft...!" Hochsitzgedanken — von der Seele geschrieben! und Weiteres zu den "Brunftgedanken"

Brunftgedanken

Dem Besitzer einer Auerhahn-Trophäe kann man die Freude an seinem Wandschmuck leicht vergällen: Man frage ihn ganz beiläufig, was das denn für ein Gefühl sei, wenn man ein Tier, das vor lauter sexueller Erregung blind und taub ist, genau in diesem Moment abknallt. Ähnlich die Hirschbrunft: Männer auf dem absteigenden Ast ihrer eigenen Sexualkraft begeistern sich am Geröhre eines anderen Säugetieres; es erregt sie der Gedanke, wie die zwei Rivalen sich gegenüberstehen und um die Vorherrschaft kämpfen, wenn sie das Krachen der Stangen über das herbstliche Tal hören. Damit die Hirsche dieses anstrengende Geschäft erledigen können, müssen sie sich vorher oft und reichlich satt gemacht haben. Sie tun das lieber auf fetten Almen und Talwiesen als am alten Gras im Bergwald. Wenn es in der Höhe schneit, kommen sie noch öfter auf landwirtschaftliche Nutzflächen. Sie haben in diesen Wochen zuerst das überständige Grummet und dann die Herbstweide landauf, landab reichlich versaut, wenn dieser unweidmännische Ausdruck erlaubt ist. Den Bauern wird gesagt, sie bekämen ohnedies den Pachterlös. Der macht oft nur ein Zehntel des wahren Schadens aus. Den Rest kann sich der Grundbesitzer im Einklang mit dem geltenden Gesetz beim Salzamt, äh, beim Bezirksgericht holen. Viel Glück dabei.

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