Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

Wechseln zu: Navigation, Suche
Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 16. Juni 1994
Kategorisierung EU; Fritz Gurgiser; Transit; 1994

Bleib, Fritz!

Sie werde, so sagte die Landes- und Schauflerbäuerin auf der Vollversammlung der LLK, trotz sicher zu erwartender Einkommensverluste für die EU stimmen, unter anderem, weil von ihren fünf Kindern höchstens eines einmal Bauer werden könne. So wird es vielen Vompern und Schönbergern auch gegangen sein: Obwohl sie die Belastung ihrer Lebenswelt durch Verkehr - keineswegs nur durch Lastkraftwagen, keineswegs nur im Transit - hautnah verspüren, haben sie dafür gestimmt; weil offenbar andere Argumente stärker waren. Na und? Weil dies nun so war, habe das Transitforum seine Berechtigung verloren, müsse sein aktivster Kämpfer Fritz Gurgiser abtreten, fordern Zeitungen und der ORF. Ist größerer politischer Undank vorstellbar? Es ist doch unbestritten, daß eine Handvoll Vomper Bürger und ihre Mitstreiter die europäische Verkehrspolitik in einem ihrer wesentlichen Punkte (freie Wahl des Verkehrsmittels) zum Umdenken gebracht haben. Wer das nicht gemerkt hat, damals, als der Transitvertrag mit all seinen Schwächen an Land gezogen wurde, hat gar nichts gemerkt.

Der Landeshauptmann hat Fritz Gurgiser unlängst zum heimlichen Verkehrsreferenten Tirols ernannt. Damit wollte er nicht nur Tanzer ärgern, sondern auf sehr feine Art anerkennen, was die Vomper für unser Land getan haben. Unbequem, ungestüm, besserwissend. Anders wäre so viel nicht erreicht worden. Sie haben ihre Freizeit geopfert, während wir unseren Vergnügen nachgegangen sind. Sie haben sich statspolizeilich dafür observieren lassen, daß sie für unser Land und seine Unversehrtheit politisch aktiv waren. Sie gehören dafür gelobt, und nicht verjagt.


Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen