Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 6. Juni 1996
Kategorisierung Kirchliches; Reinhold Stecher; 1996

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In einem halben Jahr wird der Bischof von Innsbruck 75 Jahre alt. Er hat mehrfach selbst gesagt, daß es gut sei, daß auch Bischöfe in den Ruhestand treten. Noch vor ein paar Jahren starb in der Regel ein Bischof im Amt. Das Rücktrittsgesuch von Bischof Reinhold Stecher wird, nach den derzeit in Rom herrschenden Sitten, vermutlich sehr rasch angenommen werden. Alle sorgsam erarbeiteten Vorschläge, die er selbst nach Rom schicken wird oder schon geschickt hat, haben - gerade weil sie von ihm kommen - sehr wenig Aussicht auf Erfolg. Das ist die bittere Wahrheit Es werden derzeit als mögliche Nachfolger auch Männer genannt, die einen Kirchenkrieg von ungeahnten Ausmaßen bewirken würden. Es ist dies die Stunde der Politik. Jetzt müssen der Klubobmann in Wien oder der Tiroler Landeshauptmann das Gespräch mit dem Nuntius suchen. Sonst können sie sich in einem Jahr, wenn die eine oder andere Horrorvision verwirklicht werden sollte, nicht darauf hinausreden, daß sie sich nicht in die Kirchenpolitik einmischen wollten. Die Bestellung des Bischofs von Innsbruck ist auch eine politische Sache, im guten Sinn des Wortes. Die Wahl eines Pfarrers in der Unteren Schranne durch die gewählten Volksvertreter hat deshalb so viel Aufsehen erregt, weil diese in früheren Zeiten gängige Praxis in der katholischen Kirche fast überall abgewürgt wurde. Woanders und in anderen Kirchen wählt sich das Volk seine Hirten selbst. Was sonst?

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