Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Bischof Reinhold Stecher - 85 Jahre

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum 21. Dezember 2006
Kategorisierung Kirchliches; Reinhold Stecher; 2006

Ein paar Gedanken zu einem runden Geburtstag

Ein guter Hirte

Fast jeder aus meiner Generation, der nur ein wenig in und mit der Kirche lebt, hat seine Stecher-Geschichte. Ich habe deren mehrere, die über den Menschen Reinhold Stecher etwas sagen.

1992 feierten wir den 175 Geburtstag des Priesters und "Mistapostels" Adolf Trientl. Ich wurde beauftragt, Bischof Stecher anzufragen, ob er beim Festakt in der Lehranstalt Imst den Gottesdienst zelebrieren und dabei predigen wolle. Mit einer seiner im ganzen Land bekannten handgeschriebenen Karten sagte er zu, und er verband diese Zusage mit einer Aussage zu manchem, was ihm heute an Rom nicht gefällt. Ich wollte dieses Zitat an die Spitze meines Beitrages zu "Trientl und seine Kirche" im Trientl-Buch stellen - hatte aber die Rechnung ohne meine Frau Christine gemacht. Die sagte, dass es nicht statthaft sei, eine in einem Brief gemachte und noch dazu recht deutliche Aussage in einem Buch abzudrucken, ohne den Urheber des Satzes vorher zu fragen. Stecher schickte mir nun eine nur etwas mildere Version ("... Und angesichts mancher heute grassierenden Engführungen, die allem Neuen misstrauen, repräsentiert er jene Art von Kirchentreue, die in das Wesentliche zielt, und die mit einem großen Einsatz für die Menschlichkeit verbunden war") Meine Frau ernannte er ein paar Wochen später gegen die Bestimmungen des Kirchenrechtes zum Mitglied des Bischofsrates.

Der Tiroler Forstverein hatte 2004 die österreichische Forsttagung auszurichten. Die Super-Power-Point-Präsentation, mit der man den Nachmittag des Vortragstages beleben wollte, wurde nicht termingerecht fertig. Was tun? - Hofinger, Du kennst doch den Bischof Stecher. - Ja schon, aber zwei Wochen vor dem Fest einen Mann mit über 80 so etwas fragen? Was macht ihr, wenn ich nein sage? - Dann schicken wir den Vater eines Ausschussmitgliedes, der Mitschüler von Stecher war, zu ihm. - Das ist die beste Lösung; einem Mitschüler sagt er zu letzt ab. Und dann hielt er vor einer großen Schar von Forstleuten, von denen sicher unter die Hälfte regelmäßiger Kirchgänger waren, zum Thema "Der Wald in Bibel" ein so fulminantes Referat, dass nicht nur wir Organisatoren hellauf begeistert waren. Wer ist der Mann, wurden wir von vielen Gästen befragt. Der Vortrag war sicher der Höhepunkt der ganzen Tagung. Sogar die ganz unverständliche Bestrafung von Adam und Eva dafür, dass sie die Erkenntnis von gut und böse erlangen wollten, konnte er klären: Richtig übersetzt heißt die Stelle, dass man sich nicht zum Richter über die anderen machen dürfe. In "Erkenntnissen", also Urteilen von Höchstgerichten ist diese Doppeldeutigkeit von "Erkennen" sogar in der deutschen Sprache daheim. Warum hat uns das bisher niemand gesagt?

Am ersten Schultag, also vor bald 80 Jahren, sagte seine Mutter dem kleinen Reinhold sinngemäß: Du wirst in der Schule Kinder treffen, die nicht unseren Glauben teilen und die vielleicht auch sonst andere Meinungen haben. Sage denen nie etwas, was ihnen wehtun könnte. - Und das in Zeiten, in denen die Anhänger verschiedener Anschauungen nicht nur in Tirol mit der Waffe in der Hand aufeinander losgegangen sind. In Zeiten, in denen es in unserer Kirche und auch im Bauernbund zum guten Ton gehört hat, grob antisemitisch zu reden und zu handeln.

Reinhold Stecher wurde in Innsbruck am 22. Dezember 1921 geboren, besuchte das Humanistische Gymnasium und legte 1939 die Matura ab. Nach dem Reichsarbeitsdienst begann er das Theologiestudium. Im Frühjahr 1941 wurde Stecher im Zusammenhang mit der Aufhebung des Wallfahrtsortes Maria Waldrast für zwei Monate in Haft genommen. Ein Zufall und Intervention des Bischofs retteten ihn vor dem Konzentrationslager.

Nach dem Kriegsdienst in einer Gebirgsjägerkompanie trat er in das Canisianum ein und wurde am 19. Dezember 1947 von Bischof DDr. Paulus Rusch zum Priester geweiht. Die weiteren Stationen im Lebensweg dieses beliebten Tirolers waren das Paulinum in Schwaz, wo Stecher von 1949 bis 1956 als Präfekt wirkte, und verschiedene Schulen, an denen er Religionsunterricht gab. Als Professsor an der Pädagogischen Aklademie war er seit 1968 erfolgreich. Stecher wurde am 20. Dezember 1980 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Innsbruck ernannt und von seinem Vorgänger Paulus Rusch am 25. Jänner 1981 zum Bischof geweiht. 1997 übergab er seinen Hirtenstab an seinen Nachfolger Alois Kothgasser.

Wenn der erwachsene Reinhold Stecher heftig geworden ist, dann zumeist gegen Dummheit und Borniertheit in den eigenen Reihen. Aber vermutlich ist die Tatsache, dass er heftige Gefühle, dass er Temperament zeigen konnte und bis heute kann, einer der vielen Gründe dafür, dass er im ganzen Land so grenzenlos geliebt wird. Oder kennen Sie irgendjemand, der ihn nicht gerne hat, bis weit hinein in kirchenferne und kirchenkritische Kreise?

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