Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 13. November 1986
Kategorisierung Bewährungshilfe; SPÖ; Erwin Ringel; 1986

Bewährungshilfe ohne Geld

Zu den vielen Scheinmaßnahmen zum Frisieren des Budgets 1987 zählt auch eine Verminderung der Mittel für die Bewährungshilfe um glatte 5 Millionen. Scheinmaßnahme deshalb, weil eine Einkürzung der Bewährungshilfe - von allem anderen ganz abgesehen - bedeutet: Mehr Leute in den Gefängnissen, wo der Mann (es sitzen in der Tat fast nur Männer ein!) pro Jahr 130.000 Schilling kostet, während ein Schützling in der Bewährungshilfe an die 20.000 Schilling kostet. Ums Geld geht es bei der Frage Gefängnis oder Bewährungshilfe aber nur ganz am Rande. Österreich ist schon heute in Europa das Land mit den meisten Gefangenen (nach der Türkei). Das hat vielerlei Gründe; nicht zuletzt die hohe Aufklärungsrate, für die man als Staatsbürger dankbar sein kann.

Alle Kulturstaaten haben im Laufe der letzten hundert Jahre vor den Strafvollzug in geschlossenen Anstalten die Bewährungshilfe gesetzt. Dabei soll sich der straffällig Gewordene an der Hand eines hauptberuflichen oder eines ehrenamtlichen Helfers in Freiheit bewähren. Er bekommt noch einmal eine Chance: er wird nicht aus Beruf oder Ausbildung gerissen; er lernt alles das nicht, was es in unseren Gefängnissen auch noch so zu lernen gibt.

Alle werden dafür sein, daß die Bewährungshilfe mit Steuermitteln sorgsam umgeht. Sie im geplanten Ausmaß auszuhungern, ist nicht erlaubt. Es ist das letztlich und auf Dauer teurer, als die "Einsparung" in Schilling ausmacht. Traurig ist, daß dies alles politisch nichts bewirkt: Ich glaube nicht, daß Professor Ringel, der Präsident der Bewährungshilfe, nach diesem Fußtritt aufhören wird, der SPÖ aus der Hand zu fressen.

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