Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Sommer 2001
Kategorisierung Architektur; 2001

Bergisel neu

Arm und nackert schaut er aus, der Bergisel ohne Sprungturm. Als das alles für Olympia 1976 errichtet wurde, an der Stelle eines hölzernen Turmes, da sprach man von Anfang an von einer Fehlkonstruktion: Die Springer wurden immer schneller, sodass sie bald einmal auch von der untersten Luke aus mit zu hoher Geschwindigkeit zum Schanzentisch kamen und dann zu weit sprangen. Also musste man den Schanzentisch zurückversetzen - weil man nicht zugeben wollte, dass es leichter ist, einen Schanzentisch zurückzuschneiden als einen Betonturm zu ändern. Ein Kommentar darüber an dieser Stelle (des Inhaltes: Das wäre nicht passiert, wenn man gleich aus Holz gebaut hätte; Beton kann man nicht mit Hacke und Säge kürzen ...) hatte zur Folge, dass der Kammerpräsident einen Brief bekam. Es solle seinen Schreibknecht hindern, Spott auf die großartigen olympischen Kampf stätten zu schütten.

Betonbauten halten höchstens 30 Jahre. Das Jugendzentrum in der Innsbrucker Sillgasse - keine 40 Jahre alt und daher reif zum Abbruch. Kirche und Kloster in Wien-Lainz - jünger als das letzte Konzil, nach dem sie benannt sind, und bereits generalsaniert. Autobahnbrücken halten kaum zwanzig Jahre. Mit Dynamit und Schneidbrenner muss teuer entsorgt werden, was in Beton erbaut wurde. Ein schlagkräftiges Argument pro Holz.

Und wie wird am Bergisel neu gebaut? - Alles in Beton und Glas und Stahl. Aus Holz werden dort oben nur die Zahnstocher sein.

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