Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Sommer 2001
Kategorisierung Nationalsozialismus; 2001
Anmerkung des Autors Anruf V.

Beider Weltkriege

Wer älter wird, studiert in den Tageszeitungen zuerst jene Seite, auf der er zuletzt stehen möchte - jene mit den Todesanzeigen. Erstaunt stellt man fest, dass immer öfter Leute, die jünger sind als man selber, versterben. Man wundert sich, wie blumig sich der Tod umschreiben lässt, von "abberufen" bis "in Gottes Frieden heimgekehrt". Es gibt auch länderweise Unterschiede in den Formulierungen. Während es in Salzburg zum guten Ton gehört, von einem Man, der im Weltkrieg Soldat war, zu schreiben "Teilnehmer des II. Weltkrieges", wird das in Tirol eher selten vermerkt. Noch vor ein paar Jahren war das beste, was man in Salzburg von einem toten Krieger schreiben konnte: "Teilnehmer beider Weltkriege"; aber das ist jetzt ausgelaufen. Natürlich hat die schreckliche Zeit in Russland, am Balkan, im Norden oder im Westen Europas, in Nordafrika und so fort die Männer wesentlich geprägt. Je älter sie wurden, umso öfter haben sie davon erzählt. Die Gräuel traten immer mehr zurück, die Kameradschaft war gut und die bereisten Länder und die Mädchen dort waren wunderschön. Viele von ihnen sind später fast nie mehr aus dem Dorf hinaus gekommen. Und wenn sie denn sterben, schreibt man zum Kaminkehrer X oder über den Malermeister Y, dass er ein liebevoller Opa war, dass er beim Trachtenverein mitgetan hat - und dass er, vor mehr als 56 Jahren, am 2. Weltkrieg teilgenommen hat. Stimmen tut es ja.

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