Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 6. Juli 2000
Kategorisierung Abtreibung; Forstwirtschaft; 2000

Baummörder (II.)

Zu einem guten und schönen Stadtplatz gehören keine Bäume. Nicht auszudenken, wenn der neu gestaltete Platz vor der Innsbrucker Jesuitenkirche mit Bäumen bepflanzt worden wäre. Was sollten Bäume in der Maria-Theresien-Straße? Oder vor dem Goldenen Dachl?

Hinter Innsbrucks Prachtstraße, am Adolf-Pichler-Platz, stehen ein paar Dutzend Bäume. Sie sollen einem Hotel und einer Tiefgarage weichen. Der Platz ist wohl deshalb auch unverbaut, weil hier durch Jahrhunderte, nach der Auflassung des Friedhofs um die Pfarrkirche (der wieder Maximilians Hofburg weichen musste), die Innsbrucker begraben wurden; bis auch dieser Friedhof verlegt wurde. Den Bauarbeitern werden die Knochen nur so entgegenpurzeln. Ein Arzt hat auf einem der zu fällenden Bäume Quartier bezogen. Makaber an dieser Sache ist, dass es sich dabei um jenen Arzt handelt, der nach Verordnung der Fristenlösung die erste Tiroler Abtreibungsklinik eröffnet und seither erfolgreich betrieben hat. In Kurzform: Für die Erhaltung von Stadtbäumen und für mehr Pietät gegenüber einem alten Friedhof ruft ausgerechnet einer auf, der seit sehr vielen Jahren ungeborene Embryonen massenhaft abgetrieben hat. Ist all jenen, die einen jetzt anrufen, man müsse für die Bäume, für den Friedhof, für den armen Dr. Soier endlich was tun, die Kirche vor allem, denn gar nicht bewusst, was sie verlangen? - Abtreibung ja, aber doch nicht Baummord ist die, zugegeben polemische, Kurzform dieser Posse.

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