Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 8. Jänner 2009
Kategorisierung Israel; Musik; ORF; 2009

Barenboim sei Dank

Rund eine Milliarde Menschen haben die Neujahrswünsche von Daniel Barenboim am Ende des Neujahrskonzertes gehört: Er wünsche und hoffe für die Welt den Frieden und dem Nahen Osten "menschliche Gerechtigkeit". Der ausgezeichnete Dirigent, 1942 von jüdischen Eltern in Argentinien geboren, weiß, wovon er spricht. Er ist der Begründer eines Orchesters, in dem junge Menschen aus Israel und Palästina gemeinsam mit Kollegen aus anderen arabischen Staaten und aus Spanien Musik machen. Ein ungeheures Experiment, eine Heldentat.

In zahlreichen Interviews hat sich Barenboim dieser Tage gegen das, was sich im Gazastreifen abspielt, ausgesprochen: Die Gewalt, mir der Israel der Hamas contra gibt, bewirke das Gegenteil von Frieden; Gewalttätigkeit erzeugt selbst wieder nur neue Gewalttätigkeit. Ob sein Wunsch nach "menschlicher Gerechtigkeit" (statt Rache und Schlägen und neuen Gegenschlägen) etwas nützen wird, ist mehr als fraglich - aber das ist wohl mit allen guten Neujahrswünschen so. Barbara Rett hat am Beginn des Konzertes das erfreuliche Engagement des weltberühmten Dirigenten gelobt. Gut, auch für den ORF. Dieser pflegte in diesen Tagen wieder einmal einseitigen Journalismus der besonderen Art: Fast alle Berichte über die schrecklichen Ereignisse hat der überaus begabte, aber auch ebenso einseitige, weil betroffene Ben Segenreich gebracht. Karim AI Gohary, das Feigenblatt vom Dienst, war jetzt kaum einmal zu hören. Wie lässt sich das mir dem Anspruch des ORF auf Objektivität vereinbaren?


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