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Aufgaben eines Pressereferates der Landeslandwirtschaftskammer

Autor Winfried Hofinger
Medium  ?
Texttyp Stellenbeschreibung
Erscheinungsdatum  ?1966
Kategorisierung Grundsätzliches; Presse; 1966


Aufgaben eines Pressereferates der Landeslandwirtschaftskammer


"Die zahlenmäßige Abnahme des Bauernstandes beeinträchtigt seine gesellschaftliehe, wirtschaftliche und politische Bedeutung in keiner Weise " Das erklärte Gen.Sekr. Withalm anlässlich der 60-Jahr-Feier des niederösterreichischen Bauern-bundes. Nette Worte zum Geburtstag ... Tatsächlich geht das Schwinden des politischen Einflusses eines Standes in der Demokratie Hand in Hand mit der Abnahme seines Bevölkerungs-Anteiles. Von Julius Raab stammt die unübertreffliche, kurze Formulierung dieser Tatsache, als er Studentenvertretern als Antwort auf deren berechtigte Forderungen erwiderte: "Wieviel seid's denn?"

Auch an den Bauernstand wird, in Tirol wie in Österreich, in nächster Zeit die Frage gestellt werden, wieviel Prozent der Bevölkerung er noch stelle. Das Prinzip, daß jener im Lande anschafft, der im Lande bezw. in der stärksten Partei des Landes die rein zahlenmäßige Mehrheit hat, wird sich, nachdem es durch Jahrzehnte dem Bauernstand genützt hat, zu dessen Nachteil auswirken, wenn es nicht gelingen sollte, den übrigen Bevölkerungsschichten klar zu machen, daß die Existenzfragen der bäuerlichen Bevölkerung identisch sind mit den Lebensfragen des ganzen Volkes. Zwei Aufgaben sind in diesem Zusammenhang einem Pressereferat der Landeslandwirtschaftskammer gestellt: 1. Durch publizistische Maßnahmen aller Art ist die nichtbäuerliche Bevölkerung über das Bauerntum im weitesten Sinne möglichst vielseitig und umfangreich zu informieren. 2. Im intern bäuerlichen Bereich hat das Pressereferat durch Veröffentlichung all dessen, was zu einer Hebung des Bildungsniveaus, der Schlagkraft und der Mobilität des Bauernstandes beitragen kann, mitzuhelfen, daß die Tiroler Landwirtschaft im Bereich der österreichischen Landwirtschaft, die Landwirtschaft im Bereich der anderen Berufsgruppen und im Bereich der europäischen Landwirtschaft konkurrenzfähig bleibt - oder es wird, wo sie es noch nicht ist. Zur Erfüllung dieser vielfältigen Aufgaben stehen einem Pressereferat verschiedene Mittel und Wege zur Verfügung bezw. sind zu erschließen und auszubauen:

1. Öffentlichkeitsarbeit: Mitarbeit bei den lokalen Tageszeitungen und Wochenschriften (Information über interessante Vorgänge innerhalb des bäuerlichen Lebenskreises, über alle Produktionssteigerungen, Rationalisierungen u.a., was das z.T. falsche Bild der Öffentlichkeit von der Landwirtschaft korrigieren kann). Mitarbeit beim Rundfunk: Im "Echo der Zeit" und in änderen Sendungen könnte mit der nichtbäuerlichen Bevölkerung noch mehr Kontakt aufgenommen werden. Sendezeiten sind jederzeit zu haben; soweit der Pressereferent Themen für Interviews oder Reportagen weiß, wird gerne gesendet. Fernsehen: Die landwirtschaftlichen Fernsehsendungen werden, wie das ganze Fernsehen, von Wien aus gemacht. Mit speziellen Tiroler Problemen ist nur manchmal unterzukommen. Der Linksdrall des Fernsehens dürfte durch die neue politische Konstellation und durch das Rundfunkvolksbegehren behoben sein. Ob durch dasselbe auch den landwirtschaftlichen Sendungen in Funk und Fernsehen gedient ist, bleibt abzuwarten. Die Herstellung von Kulturfilmen als Beiprogramm zu Spielfilmen sollte auch Beachtung finden. Hier ist allerdings auf längere Sicht zu berücksichtigen, daß der Kinobesuch sehr stark und regelmäßig abnimmt - in Großstädten mehr als in Kleinstädten und in Dörfern - und daß sich daher größere Investitionen kaum mehr lohnen.

In Deutschland wird die Werbung der Landwirtschaft um Verständnis bei anderen Berufsgruppen von der sogenannten "IMA", der "Informa-tionsgemeinschaft für Meinungspflege und Aufklärung" besorgt, die mit Millionenbeträgen ausgestattet ist. Neben gezielten Werkeaktionen ist es vor allem ihr Anliegen, die Öffentlichkeit bezw. jene wenigen Personen, die für die Bildung der öffentlichen Meinung zuständig sind, ausreichend zu informieren. Pressefahrten werden veranstaltet, Broschüren und Statistiken, Bildmaterial u.a. werden, gut aufgemacht und in reichlichem Ausmaß versandt. Inwieweit auch in Tirol bezw. in Österreich etwas ähnliches in absehbarer Zeit nötig sein wird, wäre zu untersuchen. Daß die Zeit nicht allzusehr drängt, hat mehrere Gründe: a) Die öffentliche Meinung auf dem Lande wird in großem Umfang von Bezirks- bezw. Wochenblättern gebildet, die durchaus als bauernfreundlich zu bezeichnen sind. b) Die "sogenannten unabhängigen Zeitungen" (Pittermann) befinden sich in der Hand der Wirtschaft ("Presse", "Kurier", "T.T.") Im Falle eines Interessenkonfliktes zwischen Wirtschaft und Landwirtschaft werden diese Zeitungen, auch wenn es einen gut funktionierenden Pressedienst im Sinne der IMA gibt, das Lied ihrer Geldgeber singen. c) Mangels besserer eigener Informationen schreiben die österreichischen Zeitungen ungeniert vom AIZ ab. Dazu ein Beispiel: Vor einigen Jahren brachte das AIZ die Meldung, die Harzgewinnung in Niederösterreich würde vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft jährlich mit einer bestimmten Summe subventioniert, die Produktion sei so und so hoch, die Tonne Kolophonuim komme auf diesen und jenen Preis. Diese Meldung wurde von mehreren Zeitungen abgedruckt. Eine gute, unabhängige Zeitung würde dazu schreiben: "Obiges hat die Landwirtschaft gemeldet. Wir stellen fest, daß die Tonne Kolophonium im Import wesentlich billiger zu haben wäre; würde die Harzgewinnung in Steinfeld eingestellt, würde man nicht nur die Subvention sparen, sondern auch die Bäume schonen und für die Wr. Neustädter Industriezone einige Hundert der so dringend benötigten Hilfsarbeiter gewinnen. Sollte der Import stocken, so kann die inländische Produktion am nächsten Tage wieder aufgenommen werden." In keiner Zeitung stand dergleichen zu lesen. Ein Beispiel dafür, daß für unsere niveaulosen Zeitungen das AIZ einstweilen genügt. Die "Tiroler Tageszeitung" druckt oft seitenweise Agenturmeldungen kommentarlos ab, zu denen die "Redakteure" im besten Fall die Überschriften verfassen. Der "durchschnittliche" Redakteur wünscht sich nicht, wenn das so vergröbert ausgedrückt werden kann, von einer "IMA" bearbeitet zu werden, sondern von einer Agentur fertige Artikel zu bekommen. Dies besorgt z.Zt. das AIZ in ausreichendem Maße. Wenn daher Tiroler Probleme in Tiroler Zeitungen gebracht werden sollen, dann führt ein vermutlich einfacher und sicherer Weg über das AIZ.

2. Interne Pressearbeit: a) Im Hause: Der Pressereferent sollte für die Angestellten der Kammer jene Zeitschriften, die nicht ihr Fachgebiet betreffen, durcharbeiten. Auch in nichtlandwirtschaftlichen Wochen- und Tageszeitungen, die zu sichten unmöglich jeder Referent und Abteilungsleiter Zeit findet, sind des öfteren interessante und lesenswerte Fachartikel abgedruckt. Als hauseigener Observer könnte der Pressereferent zu einer noch besseren Information aller Kammerbeamten beitragen. b) Der Informationsdienst: Auch er soll, neben Originalbeiträgen von Fachleuten, Wissenswertes aus Fachorganen und anderen Zeitschriften zusammentragen, abgestimmt auf den speziellen Leserkreis. c) Die "Landwirtschaftlichen Blätter": Der Pressereferent hat Beiträge für dieses "Fach- und Mitteilungsblatt der Landwirtschaftskammern Tirols" zu redigieren und er hat dabei u.a. die undankbare Aufgabe, Beiträge verdienter und fachlich hochqualifizierter Experten umzuschreiben, wenn diese nicht auf die Bedürfnisse der Leserschaft der Bauernzeitung abgestimmt sind. d) Die landw. Frühsendungen von Radio Tirol: Diese 5-Minuten-sendung wäre u.U. zu aktualisieren, indem der Pressereferent die Abteilungen und Referate im Hause auffordert, jeweils aktuelle Probleme, wichtige Hinweise u.a. in Form von 5-Minuten-Sendungen zu kleiden. e) Anderes: Die Herausgabe von Broschüren, Beratungs- und Fortbildungsarbeiten jeder Art und vieles andere, das lückenlos aufzuzählen erst nach längerer Einsicht und Einarbeitung möglich ist, obliegt dem Pressereferenten.


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