Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 21. Dezember 2000
Kategorisierung Kirchliches; Konsum; Die Zeit; Weihnachten; 2000

Arm im Geiste

So schlimm wie heuer war es noch nie. Hier im Lande genauso wie jenseits der Grenzen. Die Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" brachte letztes Wochenende acht großformatige Seiten mit so tollen Geschenkideen, wie ein Hasenkostüm, ein Pony, ein Motorboot, eine Motorsäge für Kinder. Und so fort. Nachzublättern in der Beilage "Leben". Wer noch fragt, was das alles mit Weihnachten, mit der Geburt des Gottessohnes in der Ärmlichkeit eines Stalles zu tun hat, stellt die falschen Fragen. Weihnachten ist fast ausschließlich zum Fest des Glühweinkonsums und des Kaufrausches geworden. Diese Erkenntnis und das Gejammer darüber ist nicht neu. Vielleicht sprang mir die (geistige) Nacktheit unserer Gesellschaft heuer mehr in die Augen als in anderen Jahren - weil ich mehrfach mit unseren Gästen aus einer Hutterer Kolonie in Kanada unterwegs war. Was müssen sich die gedacht haben, angesichts der vielen Plakatwände mit Damenunterwäsche, angesichts des allgegenwärtigen Plakates für "Obi" mit den zwei Nackerpatzl in der Sauna? Bedenken die Gestalter solcher Geschmacklosigkeiten denn gar nicht, dass es Zeitgenossen geben könnte, die schon wegen dieses Plakates nie und nimmer so einen Laden betreten? - Ach, die sind eine Minderheit. Auf die wird man nicht Rücksicht nehmen, wenn man es in den nächsten Jahren noch toller treiben wird. Möglich ist ja noch viel mehr, ohne Rücksicht auf ein paar prüde Jammerer. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

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