Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 18. Jänner 2001
Kategorisierung Holz; Architektur; 2001

Angenehm frei

Der neue Laden der MPreis-Kette in Wattens sei, so war letzte Woche wörtlich in der Tiroler Tageszeitung zu lesen, "im Gegensatz zu den von den Tiroler Architekten gebauten angenehm frei von Holz". Eine neue Werteskala für Baustoffe? - Bisher war man eher der Meinung, man könne gut oder schlecht bauen, mit Ziegeln, Beton, Stahl, Glas, oder eben auch Holz. Dass die Vermeidung eines nachwachsenden Baustoffes, unabhängig von der Qualität eines Bauwerkes, für sich genommen schon angenehme Gefühle erwecken kann, war bisher neu. Die Firma M-Preis wurde in den vergangenen Jahren oft und, wie Architekturkritiker sagen, zurecht für die Architektur ihre Supermärkte gelobt. Originelle Lösungen für eine schwierige Aufgabe, zumeist in der Tat in Holz.

Es gibt sie, am Rand der Städte ja auch, die einfallslos hingeklotzten Konsumtempel in Beton, die neobarocken Kitschungetüme. Nicht so bei M-Preis. Auch in Wattens hat man, wie der Augenschein lehrt, und wie in der Tageszeitung zu lesen ist, nicht ganz auf Holz verzichtet: "Hier dominieren klare Strukturen und die Ästhetik der Materialien Stahl, Glas, Stein und Holz." Also doch nicht ganz angenehm holzfrei?

Damit die Konsumenten nicht vergessen, wo das Holz herkommt, hat der aus Frankreich stammende Architekt in Wattens vor den Supermarkt einen lebenden echten Wald gepflanzt; und ihn eingezäunt, damit die Bäume nicht an Überdüngung durch Hundekot eingehen.

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