Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Oktober 2007
Kategorisierung Alfred Gusenbauer; 2007

Am Sonntagmorgen

Wir sind am Weg in die Stadt, das heißt in Wien: in den 1. Bezirk, wo am Sonntag in mehreren Kirchen Musik gespielt wird, so schön wie sonst nirgends auf der ganzen Welt. An der Kreuzung Alser Straße - Spitalgasse steht, weil die Ampel auf "Rot" steht, in Sportkleidung ein etwas dicklicher, leicht verschwitzter Mann, etwa meine Größe. Das wird doch nicht, doch, es ist der Gusi. Auch er muss warten, bis die Ampel automatisch auf "Grün" geschaltet wird. Zeit genug, das ihm fremde Paar höflich zu grüßen. Wir grüßen zurück. Und wir freuen uns. Weniger darüber, dass wir den amtierenden Bundeskanzler leibhaftig bei seinem Morgenlauf gesehen haben.

Es ist nicht unser erstes Zusammentreffen mit einem Kanzler, und gar so fesch ist er ja auch wieder nicht. Nein, wir freuen uns darüber, dass weit und breit kein Polizist zu sehen ist. Was sind wir für ein glückliches Land! Es wird auf der ganzen Welt sehr wenige Regierungschefs geben, die ganz allein, ohne Polizeischutz und ohne Begleitung durch ein Fernsehteam des Regierungsfunks, durch die Hauptstadt laufen können. Die Polizei fehlt nicht aus Schlamperei, sondern weil wir das einfach nicht brauchen. Am selben Wochenende stand in der Hamburger "Zeit" ein Interview mit dem früheren deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Da war auch von Geheimdienstlern die Rede, die ihn heute noch, rund dreißig Jahre nach seinem Abtritt, ständig bewachen. Und wir lassen den Gusi einfach so durch die Alservorstadt joggen, hinüber ins alte AKH, wo die Luft doch ein wenig besser ist als auf den Straßen.

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