Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 19. Mai 1994
Kategorisierung Tourismus; Folklore; 1994

Almabtrieb

"Es stinkt nicht", sagten die Römer vom Geld. Mit sehr viel Geld hat ein Reiseveranstalter mehrere Leute in Stans gekauft. Die führten dann am 13. Mai vor staunenden Amerikanern und Europäern einen "Almabtrieb" vor. Auch die Grasausläuter waren zu später Nachtstunde zu haben. "Warum nicht?", werden die einen sagen; nur wer selber im Geld schwimmt, wird sich abfällig darüber äußern, daß Menschen gegen Bezahlung das tun, was der Zahler sehen will. Bei jedem Tiroler Abend ereignet sich dies: Männer, die sonst gute Freunde sind, treten sich mit den Füßen in den Hintern; es wird da auch von Leuten gejodelt, die sich privat ganz andere Musik anhören. Sie tragen dabei Kleider, mit denen sie weder zur Arbeit noch in der Freizeit unterwegs sind. Weil es die Zuschauer so haben wollen. Wer nicht vom ererbten Vermögen lebt oder in der Pension, muß tagtäglich Dinge tun, die er, wenn er nicht auf die Bezahlung angewiesen wäre, nie tun würde. Er muß sich von Leuten, die er nicht mag, Arbeiten anschaffen lassen, die ihn nicht freuen. Oft hält er das nur deshalb aus, weil er auf das damit verdiente Geld nicht verzichten kann. Natürlich ist ein Almabtrieb im Mai anrüchig. Aber es ist das nur ein Beispiel für sehr viele, daß um Geld (gelegentlich mit schlechtem Gefühl oder Gewissen) fast alles im Lande zu haben ist. Fast alles: Die Staner Schützen haben sich trotz sehr viel Geld nicht kaufen lassen. Sie ließen die Thaurer antreten.


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