Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 5. November 1998
Kategorisierung Aberglaube; Esoterik; 1998

Abergläubig

Wenn man als UHU (Mensch unter hundert Jahren) oder als "Gruftie" im Kreis von jüngeren Leuten Zweifel daran anmeldet, ob es denn wirklich stimmt, daß das Hacken von Brennholz an einem bestimmten Tag im Jänner vor 9.54 Uhr besser sei als etwa erst um 9.57 Uhr, dann wird man als hoffnungsloser Rationalist belächelt. Rümpft man selbst die Nase darüber, daß Mittelchen, bei denen dank vielfacher Verdünnung garantiert kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr enthalten ist, um teures Geld verkauft und gläubig auch in der Tierarznei angewendet werden, dann wird man jener Gruppe Ewiggestriger zugerechnet, die nur glauben, was sich beweisen läßt. Schon die Frage nach Beweisen wird als Beleg für den beschränkten Geisteszustand des Fragers gewertet. Ob man auch für Zwentendorf gestimmt habe? Daß im Bauernkalender mehrere Seiten dem Mond und seinem Einfluß auf dies und das gewidmet sind, wird man beklagen dürfen. Der Schriftleiter hat recht getan, weil er damit dem Bedürfnis vieler Leser nachkommt. Sie wollen eine einfache Erklärung dafür haben, warum ungeschütztes Bauholz nach fünf Jahren morsch geworden ist und warum die Radieschen heuer nichts geworden sind. Sagt man denen, daß es keine Sternzeichen gibt, dann brechen sie das Gespräch ab. Mit solchen Narren reden sie erst gar nicht weiter.

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