Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Dezember 2006
Kategorisierung Gesellschaftliches; 2006

100 Schafe, einst und heute

Wie es der Zufall wollte, war am Dienstag dieser Woche gleich zweimal von jeweils hundert Schafen die Rede: In den Zeitungen stand zu lesen, dass im Karwendel auf unerklärliche Weise hundert Schafe und ein Kalb verschwunden sind. Eine schlimme Nachricht. Die gute Nachricht (griechisch "Evangelium") wurde an diesem Tag in katholischen Kirchen verlesen: "Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig in den Bergen zurück und sucht das verirrte? Und wenn er es findet - amen ich sage euch: Er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben" Mathäus 18, 12- 14. Bei Lukas 15 steht die Geschichte ganz ähnlich, nur lässt der Hirte die braven Schafe in der Steppe warten statt in den Bergen.

Von sieben verirrten Schafen aus Schwaz las man am selben Morgen: Ein besonnener Bürger im Pensionistenalter hat dort Randalierern gesagt, sie sollten das Beschädigen von Radständern und Blumentöpfen bleiben lassen. Worauf sie ihn krankenhausreif schlugen. Große Frage: Was macht ein 15-jähriges Mädchen, was machen sechs gleichaltrige Buben um ein Uhr des Nachts auf der Straße? Gelobt sei der tapfere Mann. Und wir alle, die wir in ähnlichen Situationen wegschauen, sollen uns an ihm ein Beispiel nehmen. Wenn er überlebt, soll er öffentlich geehrt werden. Was tun mit den sieben verirrten Schafen?

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