Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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"Wie man in den Wald hineinruft...!"

Autor Rudolf Wieser
Medium Jagd in Tirol, Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Leserbrief
Erscheinungsdatum November 1996
Kategorisierung Jagd; 1996
Anmerkung des Herausgebers Teil der Kontroverse Brunftgedanken, die auch zu Hofingers "Brunftgedanken", "Wie man in den Wald hineinruft...!" Hochsitzgedanken — von der Seele geschrieben! und Weiteres zu den "Brunftgedanken" führte.


Wenn auch ich mich mit den "Brunftgedanken" des Dipl.-Ing. Hofinger, die er glaubte, in der Tiroler Bauernzeitung deponieren zu müssen, auseinandersetze, so tue ich das ausschließlich deshalb, weil der Sexualpsychologe Mitglied des Landesjagdbeirates ist, welcher zur fachlichen Beratung der Landesregierung bestellt wird. Von den sechs Mitgliedern und der gleichen Zahl Ersatzmitglieder ist jeder entweder Grundbesitzer bzw. Jäger oder beides. Eine Ausnahme bildet der vorgenannte Oberlandwirtschaftsrat. Er ist weder Jäger noch Grundbesitzer, aber dafür hinlänglich bekannt, was seine negative Einstellung zur Jagd anbelangt. Dies kommt auch vor allem gegen Ende seiner Glosse, die wir im Inneren des Mitteilungsblattes gebührend behandeln, deutlich zum Ausdruck. Unser Wild "versaut", wie sich der Autor auszudrücken pflegt, zuerst das überständige Grummet und dann die Herbstweide. Die geschädigten Bauern werden nach seiner Ansicht mit dem Pachterlös abgefertigt, obwohl dieser oft nur ein Zehntel des wahren Schadens ausmacht. Polemisch erwidert hieße dies, nachdem wir Jäger S 130 Millionen Pacht bezahlen, daß der Schaden, den die Landwirte erleiden, jährlich S 1,3 Milliarden ausmacht.

Mit der weiteren Behauptung, daß die Grundbesitzer den tatsächlichen Schaden sich beim Salzamt holen können, stellt Hofinger quasi die Rechtsstaatlichkeit in Zweifel, wäre doch nach seiner Ansicht beim für Schadenersatzansprüche zuständigen Bezirksgericht nichts zu holen. In meiner über vier Jahrzehnte andauernden Anwaltstätigkeit habe ich sage und schreibe drei Wildschadensprozesse geführt. Studiert man selbst österreichweit die Rechtssprechung, gibt es relativ wenig Judikatur zur Wildschadensproblematik. Dies bestätigt, daß die Beteiligten sich am grünen Tisch zusammenfinden bei Gesprächen zwischen Verpächter und Pächter oder bei den in manchen Jagdgesetzen vorgesehenen Schiedskommissionen. Der Grund, warum die ortdentlichen Gerichte relativ wenig mit diesbezüglichen Schadenersatzforderungen befaßt werden, liegt nicht darin, wie der Artikelschreiber meint zum Ausdruck bringen zu müssen, daß die Geschädigten beim Salzamt eher Recht bekämen, wie bei den ordentlichen Gerichten, sondern an der Vernunft der Vertragspartner. Als Landesjägermeister finde ich es bedauerlich, daß die Landwirtschaftskammer als einen ihrer Vertreter, der solche Rechtsansichten vertritt, in den Landesjagdbeirat entsendet.

Vielleicht sollte Winfried Hofinger, so wie er als Vorsitzender des Naturschutzbeirates mangels entsprechenden Gehörs zurückgetreten ist, sich auch aus dem Landesjagdbeirat zurückziehen, um weiterhin ungestört seinen "Brunftgedanken" nachgehen zu können. Eine andere Frage ist, ob mit solchen Publikationen die Tiroler Bauernzeitung der Meinungsvielfalt entspricht und damit ihren Abonnenten dienlich ist. Dies zu beantworten, stelle ich jener großen Zahl von Bauern anheim, die Mitglieder des Tiroler Jägerverbandes sind.

LJM Dr. Rudolf Wieser

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