Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium  ?
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ?1988
Kategorisierung Musik; Johannes Paul II; Paulus Rusch;1988

"Wer singt, betet doppelt"

Was mir am Berg Isel auffiel.

Die Musik war ein ganz wesentlicher Teil des Festes am Bergisel. Um so mehr wundert es einen, der bei dem großen Chor mitgesungen hat, warum von der vielen und interessanten Musik, die da erklungen ist, so gut wie nirgends geschrieben wurde; auch nicht in seitenlangen Berichten.

Bischof Paulus hat einmal die Tiroler Kirchengänger als Singmuffel, die andere für sich singen lassen, kritisiert und ihnen die evangelische Sangesfreude als leuchtendes Beispiel vor Augen gestellt. Zum Teil wird der müde Kirchengesang bei uns damit zusammenhängen, daß sehr oft Lieder ausgesucht werden, die schon die Bänke auswendig können - oder ganz unbekannte neue; daß sehr oft zu hoch angestimmt wird; und überhaupt, singen sollen die anderen.

Die Kirchenchöre sollten mehr als bisher mit dem Volk singen, nicht an seiner statt. Sie sollten, so wie am Bergisel, Wechselgesänge anstimmen und das Volk mehrstimmig begleiten - nicht zu schnell und in der richtigen Tonlage. Das tun bisher nur sehr wenige Chöre.

Muß erst der Papst nach Tirol kommen, damit der Domkapellmeister zeigt, wie gut er komponieren kann? Braucht es so einen Anstoß, damit Wettbewerbe ausgeschrieben werden? So schön, einfach und fromm die meisten Lieder aus Taizé sind - wir sollten nicht denen in Taizé alleine das Schöpfen neuer Lieder überlassen.

Am Bergisel saß ich bei den Proben wie beim Fest neben einem 83jährigen Mann, der sein ganzes Leben der Kirchenmusik gewidmet hat. Vor mir saßen fünf 10jährige Mädchen aus dem Paznaun, liebevoll von erfahrenen Sängerinnen betreut. In ganz kurzer Zeit, bei ein paar Proben nur, hat sich zwischen den Sängerinnen und Sängern eine Herzlichkeit und Verbundenheit eingestellt, wie das nur möglich ist, wenn man gemeinsam bei einer wirklich großen Sache mittut. Für mich war das der stärkste Eindruck am Bergisel. Und darum schreibe ich darüber.

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