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| autor = Winfried Hofinger
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| medium = Tiroler Bauernzeitung
| texttyp = Kommentar
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| erscheinungsdatum= ? August 1969
| erscheinungsdatum= ? August 1969
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In der Schule liegt die Belohnung für Arbeiten, deren Sinn nicht einzusehen ist oder nur vom Kind nicht eingesehen wird, darin, daß der Lehrer lobt. Diese Rolle übernehmen beim Spiel des Kleinkindes die Eltern (oder andere Erwachsene). Sie müssen durch Lob und Anerkennung das Spiel des Kindes belohnen; durch das zu erwartende Lob das Kind zu Leistungen anspornen und so eine ausdauernde Spielhaltung fördern.
In der Schule liegt die Belohnung für Arbeiten, deren Sinn nicht einzusehen ist oder nur vom Kind nicht eingesehen wird, darin, daß der Lehrer lobt. Diese Rolle übernehmen beim Spiel des Kleinkindes die Eltern (oder andere Erwachsene). Sie müssen durch Lob und Anerkennung das Spiel des Kindes belohnen; durch das zu erwartende Lob das Kind zu Leistungen anspornen und so eine ausdauernde Spielhaltung fördern.
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Es ist klar, daß nicht jedes Spielzeug geeignet ist, die Entwicklung der Kinder zu fördern. "Das Spielmaterial muß sich zur Gestaltung und zu einer immer wieder möglichen Neugestaltung eignen. Es muß Spielraum für Umdeu-tungen gewähren, für jene Prozesse, die man als "Phantasie" bezeichnet." So, schreibt eine bekannte Pädagogin, die selbst mehrere Kinder aufgezogen hat. Ein Übergewicht an mechanischem Spielzeug, das man nur aufziehen, beobachten und bestenfalls steuern kann, lähmt die Entwicklung der Arbeitshaltungen. Solche Spielsachen erwecken zwar die Neugierde des Kindes -,es möchte wissen, wie die Dinge innen aussehen - sie verleiten jedoch im Vorschulalter nur zur Zerstörung, ohne daß das Kind die Möglichkeit hätte, sich an ihnen konstruktiv zu betätigen. Wer seinen Kindern übertechnisiertes Spielzeug schenkt, darf sich nicht wundern, wenn dieses "ausgenommen" wird. Er ist selbst daran schuld.
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Es ist klar, daß nicht jedes Spielzeug geeignet ist, die Entwicklung der Kinder zu fördern. "Das Spielmaterial muß sich zur Gestaltung und zu einer immer wieder möglichen Neugestaltung eignen. Es muß Spielraum für Umdeutungen gewähren, für jene Prozesse, die man als "Phantasie" bezeichnet." So, schreibt eine bekannte Pädagogin, die selbst mehrere Kinder aufgezogen hat. Ein Übergewicht an mechanischem Spielzeug, das man nur aufziehen, beobachten und bestenfalls steuern kann, lähmt die Entwicklung der Arbeitshaltungen. Solche Spielsachen erwecken zwar die Neugierde des Kindes -,es möchte wissen, wie die Dinge innen aussehen - sie verleiten jedoch im Vorschulalter nur zur Zerstörung, ohne daß das Kind die Möglichkeit hätte, sich an ihnen konstruktiv zu betätigen. Wer seinen Kindern übertechnisiertes Spielzeug schenkt, darf sich nicht wundern, wenn dieses "ausgenommen" wird. Er ist selbst daran schuld.
Die positive Entfaltung der kleinen Persönlichkeit, vor allem die Entfaltung von Arbeitstugenden, wird einzig und allein durch Spielmaterial einfacher Art gefördert, das die Herstellung verschiedener Gebilde ermöglicht.
Die positive Entfaltung der kleinen Persönlichkeit, vor allem die Entfaltung von Arbeitstugenden, wird einzig und allein durch Spielmaterial einfacher Art gefördert, das die Herstellung verschiedener Gebilde ermöglicht.
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Es wäre völlig falsch, zu behaupten: mein Kind kann nicht verlieren, dem werde ich es dadurch, daß ich es im Spiel oft verlieren lasse, noch beibringen. Mißerfolge können vor dem 7. Lebensjahr von fast allen Kindern nicht ertragen werden.
Es wäre völlig falsch, zu behaupten: mein Kind kann nicht verlieren, dem werde ich es dadurch, daß ich es im Spiel oft verlieren lasse, noch beibringen. Mißerfolge können vor dem 7. Lebensjahr von fast allen Kindern nicht ertragen werden.
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Das Ende dieser Entwicklung ist der Erwachsen^ der weder ein einseitiges Arbeitstier noch ein verspielter Mensch ist, sondern einer, der den Wert der Arbeit richtig einzuschätzen vermag, der andererseits aber weiß, daß er gerade im Spiel zu höheren Formen des Menschseins emporstreben kann (Darüber haben die klügsten Theologen, wie z. B. der kürzlich verstorbene Hugo Rahner, nachgedacht). Es ist eine Aufgabe verantwortungsbewußter Eltern, ihre Kinder zu einer solchen Lebenshaltung zu erziehen.
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Das Ende dieser Entwicklung ist der Erwachsene der weder ein einseitiges Arbeitstier noch ein verspielter Mensch ist, sondern einer, der den Wert der Arbeit richtig einzuschätzen vermag, der andererseits aber weiß, daß er gerade im Spiel zu höheren Formen des Menschseins emporstreben kann (Darüber haben die klügsten Theologen, wie z. B. der kürzlich verstorbene Hugo Rahner, nachgedacht). Es ist eine Aufgabe verantwortungsbewußter Eltern, ihre Kinder zu einer solchen Lebenshaltung zu erziehen.
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[[Kategorie:Tiroler Bauernzeitung]]
[[Kategorie:Erziehung]]
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[[Kategorie:1969]]
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Aktuelle Version vom 17:08, 19. Feb. 2014

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