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Waldbauern und Forstwirte sind der festen Überzeugung, daß es niemanden weit und breit gibt, der vergleichbar schonend mit der ihnen anvertrauten Natur umgeht wie sie - und das mehr oder weniger freiwillig, aus bloßer Überzeugung. Die strengen Gesetze stammen inhaltlich aus einer Zeit, da auch im Wald Raubbau betrieben wurde, also aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aber heute! Da weiß ein jeder von uns, was er tun darf und was nicht, auch ohne Gesetze. Und der umfassende Schutz der Natur ist eine Grundeinstellung und ein selbstverständliches Leitbild jedes forstlichen Handelns.
Waldbauern und Forstwirte sind der festen Überzeugung, daß es niemanden weit und breit gibt, der vergleichbar schonend mit der ihnen anvertrauten Natur umgeht wie sie - und das mehr oder weniger freiwillig, aus bloßer Überzeugung. Die strengen Gesetze stammen inhaltlich aus einer Zeit, da auch im Wald Raubbau betrieben wurde, also aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aber heute! Da weiß ein jeder von uns, was er tun darf und was nicht, auch ohne Gesetze. Und der umfassende Schutz der Natur ist eine Grundeinstellung und ein selbstverständliches Leitbild jedes forstlichen Handelns.
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Naturschützer denken da ganz anders. Lästig wie sie sind, ziehen sie, um ihre Thesen zu belegen, ausgerechnet den einen schlimmen Weg (den mit der weithin sichbaren, hundert Meter breiten Schotterböschung und den schwer verletzten Bäumen darauf) immer wieder aus der Versenkung. Haben sie gar ein abgeschlossenes Fachstudium hinter sich, dann sind ihre Beispiele noch stärker -bis hin zu den niedergespritzten Buchenverjüngungen vor dreißig, vierzig Jahren.
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Naturschützer denken da ganz anders. Lästig wie sie sind, ziehen sie, um ihre Thesen zu belegen, ausgerechnet den einen schlimmen Weg (den mit der weithin sichbaren, hundert Meter breiten Schotterböschung und den schwer verletzten Bäumen darauf) immer wieder aus der Versenkung. Haben sie gar ein abgeschlossenes Fachstudium hinter sich, dann sind ihre Beispiele noch stärker - bis hin zu den niedergespritzten Buchenverjüngungen vor dreißig, vierzig Jahren.
Wenn heute die Fehler der Generationen vor uns aufgezeigt werden, dann läuft die Debatte darüber - und das nicht nur in der Forstwirtschaft - meistens so ab: Es werden alle alten Schandtaten freimütig zugegeben; und dann wird gleich dazugesagt, daß solche Fehler heute ganz sicher nicht mehr gemacht würden. Das sei nun alles erledigt, ein nochmaliges Aufwärmen dieser alten Sache sei in Zukunft höchst unfair. Selbst der friedlichste Gesprächspartner wird sich dabei denken: Damals, als der heute als Fehler eingestandene Unsinn begangen wurde, war keiner von denen bereit, das auch zu gestehen und zuzugeben. So wie die jetzt von mir aufgezeigten Fehler nicht eingestanden werden; mit denen wird es in einer Generation so sein wie mit den alten - mit Verspätung, nach erfolgtem Schaden, würde dann wieder reumütig gestanden: Ja, damals ...
Wenn heute die Fehler der Generationen vor uns aufgezeigt werden, dann läuft die Debatte darüber - und das nicht nur in der Forstwirtschaft - meistens so ab: Es werden alle alten Schandtaten freimütig zugegeben; und dann wird gleich dazugesagt, daß solche Fehler heute ganz sicher nicht mehr gemacht würden. Das sei nun alles erledigt, ein nochmaliges Aufwärmen dieser alten Sache sei in Zukunft höchst unfair. Selbst der friedlichste Gesprächspartner wird sich dabei denken: Damals, als der heute als Fehler eingestandene Unsinn begangen wurde, war keiner von denen bereit, das auch zu gestehen und zuzugeben. So wie die jetzt von mir aufgezeigten Fehler nicht eingestanden werden; mit denen wird es in einer Generation so sein wie mit den alten - mit Verspätung, nach erfolgtem Schaden, würde dann wieder reumütig gestanden: Ja, damals ...
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Forstleute haben für sich den großen Vorteil, daß sie sich als einzige im Wald wirklich auskennen. Im Gespräch mit aufrechten Naturliebhabern, auch studierten Botanikern, kommt man gleich einmal drauf, wie wenig von der Dynamik eines so komplizierten Gebildes, wie es ein Wald nun einmal ist, Allgemeinwissen ist. Wäre ja auch erstaunlich, wenn dem nicht so wäre. Wir werden doch nicht umsonst so viele Jahre auf einer dermaßen guten Hochschule verbracht haben.
Forstleute haben für sich den großen Vorteil, daß sie sich als einzige im Wald wirklich auskennen. Im Gespräch mit aufrechten Naturliebhabern, auch studierten Botanikern, kommt man gleich einmal drauf, wie wenig von der Dynamik eines so komplizierten Gebildes, wie es ein Wald nun einmal ist, Allgemeinwissen ist. Wäre ja auch erstaunlich, wenn dem nicht so wäre. Wir werden doch nicht umsonst so viele Jahre auf einer dermaßen guten Hochschule verbracht haben.
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Der Verwaltungsgerichtshof hat unlängst am konkreten Beispiel eines Forstweges im Tiroler Außerfern entschieden, daß die Verpflichtung zur Bewirtschaftung des Waldes und das Recht zur Nutzung des Eigentums stärker sind als die Wünsche der Naturschützer nach Unberührtheit von Waldgebieten. Freude bei den Forstleuten, Trauer bei den Naturschützern. Und sie kommen sich, obwohl ihnen doch beiden an der Erhaltung der Natur gelegen ist, wieder nicht näher. Ihre unterschiedliche Interessenslage wurde von einem Höchstgericht bestätigt.
Der Verwaltungsgerichtshof hat unlängst am konkreten Beispiel eines Forstweges im Tiroler Außerfern entschieden, daß die Verpflichtung zur Bewirtschaftung des Waldes und das Recht zur Nutzung des Eigentums stärker sind als die Wünsche der Naturschützer nach Unberührtheit von Waldgebieten. Freude bei den Forstleuten, Trauer bei den Naturschützern. Und sie kommen sich, obwohl ihnen doch beiden an der Erhaltung der Natur gelegen ist, wieder nicht näher. Ihre unterschiedliche Interessenslage wurde von einem Höchstgericht bestätigt.
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Wie kommt man da heraus? Wie soll in Zukunft zusammengearbeitet werden?
Wie kommt man da heraus? Wie soll in Zukunft zusammengearbeitet werden?
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Die Naturschützer werden zugeben müssen, daß die derzeitige, uns allen vertraute Erscheinungsform von Wald und Flur Menschenwerk ist. Ihre Erhaltung in genau der Form des Jahres 1995 zu fordern ist willkürlich und von der Natur her unbegründbar. Der größte Brocken unter den Tiroler Naturschutzausgaben ist die - von mir und anderen sehr begrüßte - Erhaltung der Lärchenwiesen. Hier wird die Natur daran gehindert, das zu tun, was natürlich wäre: Ohne Beseitigung des natürlichen Anfluges wären die Lärchenwiesen in einer Generation dichte Fichten-Lärchen-Kiefernwälder. Ist dieses Beispiel nicht ein Anlaß, unseren Natur(schütz)begriff zu überdenken?
Die Naturschützer werden zugeben müssen, daß die derzeitige, uns allen vertraute Erscheinungsform von Wald und Flur Menschenwerk ist. Ihre Erhaltung in genau der Form des Jahres 1995 zu fordern ist willkürlich und von der Natur her unbegründbar. Der größte Brocken unter den Tiroler Naturschutzausgaben ist die - von mir und anderen sehr begrüßte - Erhaltung der Lärchenwiesen. Hier wird die Natur daran gehindert, das zu tun, was natürlich wäre: Ohne Beseitigung des natürlichen Anfluges wären die Lärchenwiesen in einer Generation dichte Fichten-Lärchen-Kiefernwälder. Ist dieses Beispiel nicht ein Anlaß, unseren Natur(schütz)begriff zu überdenken?
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Beide Seiten sollten sich bewußt werden, daß sie so weit nicht auseinander sind. Manches von dem, was - ohne es zu überprüfen aus anderen Ländern übernommen - unserer Forstwirtschaft vorgehalten wird, stimmt einfach nicht. Als vor ein paar Jahren kanadische Forstleute von uns durch Wirtschaftswälder, auch solche der Bundesforste, geführt wurden, da kamen sie aus dem Staunen nicht herau: Wirtschaften und doch Natur, sagten sie die ganze Zeit. Natur als Wirtschaftsprinzip - es ist ein Widerspruch in sich. In der in unseren Wäldern geübten Form ist - bei allen Fehlern, die nicht wütend geleugnet werden sollten - sehr oft ein tragbares Nebeneinander gefunden worden.
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Beide Seiten sollten sich bewußt werden, daß sie so weit nicht auseinander sind. Manches von dem, was - ohne es zu überprüfen; aus anderen Ländern übernommen - unserer Forstwirtschaft vorgehalten wird, stimmt einfach nicht. Als vor ein paar Jahren kanadische Forstleute von uns durch Wirtschaftswälder, auch solche der Bundesforste, geführt wurden, da kamen sie aus dem Staunen nicht herau: Wirtschaften und doch Natur, sagten sie die ganze Zeit. Natur als Wirtschaftsprinzip - es ist ein Widerspruch in sich. In der in unseren Wäldern geübten Form ist - bei allen Fehlern, die nicht wütend geleugnet werden sollten - sehr oft ein tragbares Nebeneinander gefunden worden.
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Aktuelle Version vom 14:30, 28. Feb. 2014

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