Aus Holzknecht

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Trientl war nicht nur der erste, sondern auf lange Zeit auch der einzige landwirtschaftliche Wanderlehrer Tirols. Ausgestattet mit einem Reisezuschuß von 100 Gulden aus der Privatschatulle der Kaiserin Carolina Augusta (der 4. Frau Franz I, die ihren kaiserlichen Gemahl um Jahrzehnte überlebte) und ausgezeichnet mit dem goldenden Verdienstkreuz mit der Krone, zog er durchs Land. Zur Zeit seiner größten Aktivität war er 2. Waldauf'scher Kaplan, sogenannter Unterkaplan, sodaß er genügend Zeit fand sich der Verbesserung der landwirtschaftlichen Verhältnisse Tirols zu widmen.
Trientl war nicht nur der erste, sondern auf lange Zeit auch der einzige landwirtschaftliche Wanderlehrer Tirols. Ausgestattet mit einem Reisezuschuß von 100 Gulden aus der Privatschatulle der Kaiserin Carolina Augusta (der 4. Frau Franz I, die ihren kaiserlichen Gemahl um Jahrzehnte überlebte) und ausgezeichnet mit dem goldenden Verdienstkreuz mit der Krone, zog er durchs Land. Zur Zeit seiner größten Aktivität war er 2. Waldauf'scher Kaplan, sogenannter Unterkaplan, sodaß er genügend Zeit fand sich der Verbesserung der landwirtschaftlichen Verhältnisse Tirols zu widmen.
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Trientls Gedanken sind in den sogenannten "landwirtschaftlichen Briefen", in "Meine zweite Reise", in einem Büchlein "Grundsätze der Düngung" und in vielen Zeitungsartikeln, die er im "Tiroler Boten" und in den "Tiroler Stimmen" veröffentlichte, niedergelegt. In seinen Fachschriften erweist sich Trientl als genauer Kenner der damals noch weithin unbekannten Lehren des deutschen Chemikers Justus von Liebig und der wissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Zeit. In seinen Zeitungsartikeln meldet er sich zu den verschiedensten Fragen: So prophezeit er schon in den 60er Jahren der Elektrizität einen Siegezug auch in der Landwirtschaft; sie würde genauso sicher die Erzeuger von Gasstrümpfen brotlos machen wie die Eisenbahn vor kurzem das Gewerbe der Fuhrleute ruiniert habe.
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Trientls Gedanken sind in den sogenannten "landwirtschaftlichen Briefen", in "Meine zweite Reise", in vielen kleinen Broschüren, wie "Die Grundsätze der Düngung" und in vielen Zeitungsartikeln, die er im "Tiroler Boten" und in den "Tiroler Stimmen" veröffentlichte, niedergelegt. In seinen Fachschriften erweist sich Trientl als genauer Kenner der damals noch weithin unbekannten Lehren des deutschen Chemikers Justus von Liebig und der wissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Zeit. In seinen Zeitungsartikeln meldet er sich zu den verschiedensten Fragen: So prophezeit er schon in den 60er Jahren der Elektrizität einen Siegezug auch in der Landwirtschaft; sie würde genauso sicher die Erzeuger von Gasstrümpfen brotlos machen wie die Eisenbahn vor kurzem das Gewerbe der Fuhrleute ruiniert habe.
Gegen die regelmäßigen Überschwemmungen, die der Vernagt-Ferner im Ötztal anrichtet wüßte er ein Mittel: Man sollte den Stausee, der sich dort immer wieder bildet von unten anbohren; daß käme viel billiger als die regelmäßigen Verheerungen auf den Fluren seines Heimattales. Oft rechnet er seinen Zeitgenossen vor, was sie sich durch diese oder jene Maßnahme, für die er kämpft, ersparen könnten.
Gegen die regelmäßigen Überschwemmungen, die der Vernagt-Ferner im Ötztal anrichtet wüßte er ein Mittel: Man sollte den Stausee, der sich dort immer wieder bildet von unten anbohren; daß käme viel billiger als die regelmäßigen Verheerungen auf den Fluren seines Heimattales. Oft rechnet er seinen Zeitgenossen vor, was sie sich durch diese oder jene Maßnahme, für die er kämpft, ersparen könnten.
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So auoh bei den alten Bauernfeiertagen, den sogenannten "abgebrachten Feiertagen": "Wir dürfen annehmen, daß 100.000 Menschen an den 20 abgebrachten Feiertagen nicht arbeiten. Das macht 2 Millionen Arbeitstage im Lande." Diese Feiertage an denen nicht mehr gearbeitet wird, aber auch nicht kirchlich gefeiert wird würde nur getanzt und getrunken. An ihrer Stelle, schlägt Trientl vor, solle man den Dienstboten gesetzlich vorgeschriebene Feiertage einräumen wobei in Rücksicht auf die Sittlichkeit zu wünschen wäre, daß andere Tage für die Knechte und andere für die Mägde bestimmt würden ... So schrieb Adolf Trientl am 31. August 1867, also fast auf den Tag genau vor 100 Jahren im "Tiroler Boten" - zu einer Zeit da es überall Kinderarbeit gab und da noch niemand an eine geregelte Urlaubszeit dachte.
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So auoh bei den alten Bauernfeiertagen, den sogenannten "abgebrachten Feiertagen": "Wir dürfen annehmen, daß 100.000 Menschen an den 20 abgebrachten Feiertagen nicht arbeiten. Das macht 2 Millionen Arbeitstage im Lande." Diese Feiertage an denen nicht mehr gearbeitet wird, aber auch nicht kirchlich gefeiert wird, würde nur getanzt und getrunken. An ihrer Stelle, schlägt Trientl vor, solle man den Dienstboten gesetzlich vorgeschriebene Feiertage einräumen wobei in Rücksicht auf die Sittlichkeit zu wünschen wäre, daß andere Tage für die Knechte und andere für die Mägde bestimmt würden ... So schrieb Adolf Trientl am 31. August 1867, also fast auf den Tag genau vor 100 Jahren im "Tiroler Boten" - zu einer Zeit da es überall Kinderarbeit gab und da noch niemand an eine geregelte Urlaubszeit dachte.
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Das Hauptinteresse von Adolf Trientl gehörte aber der praktischen Landwirschaft und hier, neben der Verbesserung der Tierzucht und des Pflanzenbaues vor allem dem Düngerwesen« Hier sieht er viel Geld unnütz vermodern und über die schmutzigen Dorfgassen rinnen. Als Heilmittel gegen dieses Übel rät er die Einführung einer Luxussteuer, die als echte Luxussteuer sehr hoch sein soll (3 Gulden pro Rind, ein Gulden für jedes Schafe, Ziegen und Schweine). Er ist auf der anderen Seite Realist genug und weiß genau daß dieser Antrag im Landhaus keine Mehrheit finden wird.
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Das Hauptinteresse von Adolf Trientl gehörte aber der praktischen Landwirschaft und hier, neben der Verbesserung der Tierzucht und des Pflanzenbaues vor allem dem Düngerwesen« Hier sieht er viel Geld unnütz vermodern und über die schmutzigen Dorfgassen rinnen. Als Heilmittel gegen dieses Übel rät er die Einführung einer Luxussteuer, die als echte Luxussteuer sehr hoch sein soll (3 Gulden pro Rind, ein Gulden für jedes Schaf, jede Ziege und jedes Schwein). Er ist auf der anderen Seite Realist genug und weiß genau daß dieser Antrag im Landhaus keine Mehrheit finden wird.
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Die Kunstdüngung vor allem das "Gypsen" steckt zu Trientls Zeiten erst in den Kinderschuhen. Er sagt voraus, daß man immer mehr davon Gebrauch machen wird, auch Guano sei zwar teuer aber letztlich doch rentabel.
Die Kunstdüngung vor allem das "Gypsen" steckt zu Trientls Zeiten erst in den Kinderschuhen. Er sagt voraus, daß man immer mehr davon Gebrauch machen wird, auch Guano sei zwar teuer aber letztlich doch rentabel.
In jeden Stall gehört ein Thermometer. Kabolsäure ist gegen Maul- und Klaunseuche zu verwenden. Die Schweinezucht ist viel rentabler als die Schweinemast. Die Ziege schädigt Feld und Wald. Das Schnaitein und die Streugewinnung in den Wäldern schädigt deren Ertragskraft. - Dies alles sind Erkenntnisse, die heute jedem Berater und jedem Fachlehrer vertraut sind. Trientl stand damit zu seiner Zeit fast ganz allein. Gegen eingefleischte Vorurteile, gegen Mißtrauen, Spott und Gelächter zog er durch das Land, das Leibliche, und wie er hoffte, damit auch das geistliche Wohl seiner Mitbürger zu befördern.
In jeden Stall gehört ein Thermometer. Kabolsäure ist gegen Maul- und Klaunseuche zu verwenden. Die Schweinezucht ist viel rentabler als die Schweinemast. Die Ziege schädigt Feld und Wald. Das Schnaitein und die Streugewinnung in den Wäldern schädigt deren Ertragskraft. - Dies alles sind Erkenntnisse, die heute jedem Berater und jedem Fachlehrer vertraut sind. Trientl stand damit zu seiner Zeit fast ganz allein. Gegen eingefleischte Vorurteile, gegen Mißtrauen, Spott und Gelächter zog er durch das Land, das Leibliche, und wie er hoffte, damit auch das geistliche Wohl seiner Mitbürger zu befördern.
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Seinen Lebensabend verbrachte Trientl als Kaplan in der Fraktion Köfels in der Gemeinde Unhausen. 1884 berichtet er über den Schulschluß in Rotholz: Jeder hatte Ursache, damit zufrieden zu sein ..." Zufrieden damit, daß sein Lebenswerk, seine Bemühungen um eine verbesserte Landwirtschaft mit der Zeit Früchte brachten, schloß er am 6. März 1897 die Augen.
Seinen Lebensabend verbrachte Trientl als Kaplan in der Fraktion Köfels in der Gemeinde Unhausen. 1884 berichtet er über den Schulschluß in Rotholz: Jeder hatte Ursache, damit zufrieden zu sein ..." Zufrieden damit, daß sein Lebenswerk, seine Bemühungen um eine verbesserte Landwirtschaft mit der Zeit Früchte brachten, schloß er am 6. März 1897 die Augen.

Version vom 15:36, 22. Feb. 2014

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